Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 2.1878

Seite: 174
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Auf einer Fläche von circa 200 Quadratmeter fand man die Mauern von Stallung,
Küchenraum, Wohnzimmer mit Estrichverguss, Heizunterlage von Ziegeln, eine Masse
Hexagonziegel, etwas Eisengeräth, viele Wandmalereistücke, eine Masse von Platten-
und Halbrohziegeln, Gefässen (roheste Schwarzmasse bis weiss, gelbroth, etwas Terra
sigillata, Lucernenstücke), endlich Thierknochen, keine Bronzegeräthe, keine
Münzen. Die Stelle schien etwas aufgewühlt, eine Fortsetzung gegen die Murseite
ist in Aussicht gestellt. — Unweit der Bahnstation Leibnitz zu Wagna nächst der
Sandscha-Brücke sind auf einer Fläche von circa 500 Quadratmeter blossgelegt die
weitläufigen Ruinen eines besseren römischen Landhauses, etwa 6 Gemächer in der
Richtung von S. nach N, kräftige Mauern mit Quaderecken, Ziegelwölbungen mit
weitläufig erhaltenem Estrichverguss, von der Bodenoberfiäche nur durch Ackererde
von ein Paar Spannen Tiefe geschieden. Ausser einem Eisenschlüssel, einer Bronze-
münze (Hadrian) , einer Eisennadel, einer Bronzestatuette (Jupiter, 9 Cm. hoch),
sehr vielem zum Theil feinem Farbwandwerk, weisslichen Topfscherben (auch Terra
sigillata, Lampe etc.), Knochen, Zähnen wurde an der nördlichen Mittelseite ein fast
vollständig erhaltener Mosaikboden abgedeckt, in der Richtung von S. nach N.
7-20 M. lang, von O. nach W. 6 M. breit, also über 42 Quadratmeter. Er zeigt
einen Adler im Centrum, linkssehend gegen Sonnenaufgang, in Weiss mit Steinchen
schwarz, grünlich, eingeschlossen von einem Kreise mit Schlingen; folgt ein Kreis-
band von Voluten, rothgelblich auf weiss, weiterhin eine Umfassung von vier con-
centrischen Kreisen, darin Dreieckstellungen, schwarz in weiss, der Schluss ein
Kreisband von Bogeneinwindungen, schwarz, roth, weiss. Von den vier Ecken aus,
in denen je eine zweihenkelige Vase mit Blumenzier erscheint, gehen gegen das
Centraibild schön geschwungene Bogen, rothgrau, auseinander, darinnen sich Knospen
und Thiere (Eidechsen, Storch mit rothem Schnabel, rothen Füssen, 0"44 hoch,
0'57 lang) zeigen. Die Randeinfassung des Bodens bildet eine einfache Bände-
rung, dahinter aber äusserst mannigfache Muster von Bogen, Sterngestalten, schwarz,
rosa, gelb etc. erscheinen. Endlich scheidet sich gegen S. ein eigenes oblonges
Mosaikbodenstück ab, das in Weiss und Schwarzgrau eine blosse Vorhallentäfe-
lung zeigt. Der Mosaikboden dürfte wohl das schönste Stück dieser Art in
Steiermark sein. Die Farbwände stehen zum Theile noch auf Spannhöhe an; ein-
zelne Bodentheile sind leider ausgebrochen, auch chxrch Senkung etwas be-
schädigt. An anderen Stellen: Bronzemünzen, behelmter Statuenkopf, roh, aus dem
Aflenzer Steinbruch; Ikarusstatue, 0'8 hoch, Kopf fehlt. — Die Aufdeckungen von
Leibnitz währen fort, die von Pumpersdorf sind abgeschlossen. Die Fundstücke
sind im Joanneum zu Graz ausgestellt. Zunächst erfolgen Einstiche in Pettau; auf
dem Zollfelde ist der ergiebigste Punkt in Aussicht genommen und das Grabungs-
recht zugesagt. Vom Lurnfelde (Teurnia) ist kein Ergebniss gemeldet, in Cilli noch
nichts begonnen. — Nr. 143, 24. Juni: Bei Fortsetzung der Arbeiten auf den Pfahl-
bautenfundstätten des Laibacher Moores ist eine neue Lagerstätte aufgedeckt worden
in der Nähe der Ortschaft Brunndorf, unter verschiedenen Funden eine birnförmige
hohle Kinderklapper aus Thon mit einem innenbefindlichen Steinchen. — Nr. 157.
12. Juli: Ausgrabungen in Vido an der Narenta in Dalmatien (Narona) im Auftrage
des Unterrichtsministeriums. Sechs grosse schön ornamentirte Inschriftsteine, ein
Hennesrelief und mehrere Architecturfragmente. — Nr. 202, 3. September: Mosaik
in Salzburg (s. oben). — N. 216, 21. September: Laibacher Moor, unter prähistori-
schen Funden ein aus Eichenholz gezimmertes Schiff. — Nr. 246, 25. October: Aus-
grabungen in Carnuntum. — Nr. 264, 18. November: Transport des Mosaikfuss-
bodens von Wagna bei Leibnitz nach Graz in das Museum. — Nr. 260, 12. No-
vember: Altchristliches Grab bei S. Zeno im Nonsberge (s. oben).
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