Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 2.1878

Seite: 178
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einen ornamentalen Ablauf und zeigt auf der Vorderseite zwei hori-
zontal eingeführte tiefe viereckige Löcher, welche auf die Befesti-
gung irgend eines Gegenstandes, Gerüstes oder dergleichen hindeuten.
Eine technisch genaue Untersuchung dieser Löcher und einiger an-
derer an der Basis noch bemerkbarer Marken wird vielleicht nähere
Aufschlüsse ergeben.

Zwischen dieser altarähnlichen Basis und dem scheinbaren
Podium sind die folgenden Marmorsculpturen auf dem Boden
liegend gefunden worden:

1. Statuette eines sitzenden Jupiter, dessen Oberkörper
vom Nabel aufwärts fehlt, gegenwärtig 0'52 hoch und 0'34 unten
breit. Um die Beine ist ein Gewand geschlungen, welches den
Leib frei lässt und zu dem wahrscheinlich erhobenen linken Arme
hinaufreichte. Die Rechte mit dem Blitze ruht im Schoosse, die
Füsse tragen Sandalen.

2. Statuette einer stehenden Knabenfigur, welche in
der gesenkten Rechten eine Patera, im linken Arm ein Füllhorn mit
Früchten hält; gegenwärtig ohne Kopf, mit Basis 0'53 hoch, auf der
Rückseite beinahe unbearbeitet- Die Figur steht auf dem linken
Bein; sie trägt hoch heraufreichende Stiefel und ein Gewand, das
von der linken Achsel in den Rücken herabgeht und auf der Vorder-
seite zur linken Hüfte herübergezogen ist, so dass Brust und Leib
frei bleiben. — Eine ähnliche weit kleinere Marmorstatuette ist an
einer andern Stelle der Ausgrabungen zum Vorschein gekommen.
Ganz entsprechend ist eine grössere 1*2 hohe Marmorstatue, ge-
funden bei Deutsch-Altenburg, im unteren Belvedere, wo sie die
Bezeichnung „bakchischer Genius, als Schutzgott der Stadt Carnun-
tum ergänzt" führt (vergl. Sacken und Kenner die Sammlungen des
k. k. Münz- und Antikencabinets p. 45 n. 197, Sacken Sitzungsber.
d. k. Akademie d. Wissensch. IX S. 703) und eine vierte 0 62 hohe
Marmorstatuette des Belvedere, welche gleichfalls aus Carnuntum
stammt. Ein fünftes jetzt im Museum Traun zu Petronell aufbe-
wahrtes und im sogenannten römischen Bade südöstlich vom Lager
gefundenes 0'4 hohes Exemplar ist aus Sandstein gearbeitet und
unterscheidet sich von den übrigen dadurch, dass es ein dünnes
faltiges Untergewand zeigt (Kopf, rechter Unterarm und Füsse fehlen).
Von F. Kenner Mittheilungen der Central-Commission N. F. II p. 58
Lichtdrucktafel N. II wurde dieses letztere wohl im Hinblick auf
jenen Unterschied als Fortuna aufgefasst; indessen ist die Brust
nicht ausgesprochen weiblich, und genau entsprechend in solcher
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