Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 2.1878

Seite: 181
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diesem altarformigen Steine befestigten hölzernen Suggeste6) ge-
standen hat, wird vorläufig unentschieden bleiben müssen ; die Feld-
zeichen und der Legionsadler waren ohne Zweifel um die Statue herum
gruppirt7).

Es darf als sicher angenommen werden, dass der Lager-
tempel stets mit dem Praetorium unmittelbar verbunden gewesen
ist8); die centrale Lage des besprochenen Raumes in dem Burg-
felde von Carnuntum macht es ebenfalls in hohem Grade wahr-
scheinlich, dass wir uns hier in einer zum Prätorium gehörigen An-
lage befinden. Demnach wird man wohl die kleineren heizbaren
Räume, die nicht fern davon in der Achse (Nord-Süd) des Burgfeldes
aufgedeckt worden sind und im Vergleich mit anderen Mauerresten
des Lagers eine gewisse Sorgsamkeit der Anlage zeigen, gemäss der
Beschreibung des Hyginus (§. 10) als Wohnungen der höheren
Offiziere, insbesondere der Comites des Feldherrn ansehen dürfen.

Hoffentlich wird die Fortsetzung der Ausgrabungen im kom-
menden Jahre volles Licht über die Anlage und Disposition des
Prätoriums im Lager von Carnuntum verbreiten und feste Anhalts-
punkte zur Ergänzung oder zur Widerlegung der hier vermuthungs-
weise versuchten Deutung bieten; wir dürfen uns wohl der sicheren
Erwartung hingeben, dass man für die dauernde Erhaltung wenig-
stens dieser in mannigfacher Hinsicht interessanten Anlage recht-
zeitig Sorge tragen werde.

Unter den bei den diesjährigen Ausgrabungen gemachten in-
schriftlichen Funden9), die sich, wie alle Fundstücke überhaupt, in

6) Tacitus Hist. I, 36: ut non contenti agmine et corporibus in suggestu, in
quo paulo ante aurea Galbae statua fu erat, medium int er signa Otho-
nem vexillis circumdar ent. Ausnahmsweise wird das Kaiserbild auf den curu-
lischen Sessel zur Adoration für vornehme Feinde gestellt, vgl. Tacitus Ann. 15, 29
und Mommsen St. E. II2 S. 788.

7) Vgl. Tacitus Hist. 1, 36: medium inter signa Othonem (an der Stelle der
Statue des Galba). Suetonius Tiber. 48: quod solae nullam Seiani imaginem inter
signa coluissent.

8) Dass innerhalb der prin cipia castrorum die Kaiserstatue, die Feld-
zeichen und die Götterbilder sich befunden haben, bedarf keines Beweises, vgl.
übrigens Tacitus Ann. 4, 2 (von Seianus): colique per theatra et fora effigies eins
interque principia legionum sineret, Hist. 3, 13—14 über die Umstürzung der
Statuen des Vitellius und die Inschrift auf dem Bronzetäfelchen von York (Corp. VH
p. 62, vgl. Lewis in Revue arcMologique 1877 p. 264): 8eoT<; toi<; tou r)YeuoviKOU
TrpouTuupiou.

9) Die Copien derselben sind von H. Majonica angefertigt und von mir bis
auf einige Fragmente von Ziegeln und Terra sigillata revidirt worden.
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