Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 2.1878

Seite: 183
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nicht für wahrscheinlich, so bliebe nur die allerdings sehr bedenk-
liche Annahme übrig, dass am Schlüsse imp. d]esig. gestanden habe10).
Bekanntlich hat Titus diesen Titel im Jahre 71 vor Uebertragung
der Mitregentschaft und des damit verbundenen Titels Imperator ge-
führt11). Es scheint mir daher die Annahme nicht undenkbar, dass
der Concipient dieser Inschrift, vielleicht im Anschluss an eine schon
im Lager befindliche Inschrift oder an ein Formular aus jenem Jahre,
ihm fälschlich diesen Titel im Jahre 76 beigelegt habe. Sollte er
aber auch selbst darunter die Designation zur Thronfolge gemeint
haben12), so würde man natürlich dieser Titulatur in einer solchen
nicht officiellen Inschrift ebenso wenig eine staatsrechtliche Geltung
beimessen dürfen, als etwa der Benennung imperator perpetuus, die
dem Augustus in einer nach seinem Tode gesetzten Inschrift gegeben
wird13).

Bleibt demnach auch die Ergänzung des Schlusses der Inschrift
zweifelhaft, so lernen wir aus ihr doch die wichtige Thatsache, dass
die Begründung des Lagers in Carnuntum im Jahre 76 bereits voll-
zogen war.

2. Nahe dem vermuthlichen Lagerheiligthum in südöstlicher Rich-
tung wurde am 16. September folgendes Kalksteinfragment, 041 resp.

10) An princeps d]esig(natus) wird man gewiss noch weniger denken dürfen,
wenn es auch bekanntlich in dem sogen. Cenotaphium Pisanum (Wilmanns 883)
von Gaius heisst: iam designatu[m] iustissimum ac simillumum parentis sui virtutibus
principem, womit allerdings doch mehr gesagt sein soll und besonders nach dem
Tode des Gaius auch gesagt werden durfte, als dass Gaius princeps iuventutis ge-
wesen war (Mommsen St. E. II2 S. 800 A. 3 und 1080 A. 2). Von Lucius, der
noch bei seinem Tode princeps iuventutis war, wird trotzdem begreiflicher Weise
nicht behauptet, dass er zur Thronfolge designirt war.

") Vgl. die ausführliche Auseinandersetzung von Mommsen: Imperatortitel
des Titus in Wiener numismatische Zeitschrift 3, 1871, S. 458 ff. und St. E. II2
S. 1096 A. 6 und S. 1100 A. 1.

12) Dass Vespasians ganzes Streben darauf gerichtet war, die Erbfolge seinem
Sohne zu sichern, darüber kann natürlich nach der dem Titus bei des Vaters Leb-
zeiten eingeräumten Stellung kein Zweifel obwalten, vgl. auch die von Vespasian
dem Senate gegebene Erklärung (Suetonius Vespas. 25): aut filios sibi succcessuros
aut neminem.

0-46 h., 0425 bi\, OQ8 d., gefunden:

13

!) Mommsen St. E. II5 S. 770 A. 1.
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