Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

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von kleinerem Massstab. Aber wenn er in einer grossen Gruppe,
in einem nahe verwandten, der grossen statuarischen Kunst ange-
messeneren Motiv die Göttin reich und voll bekleidet, feierlich und
majestätisch, mit dem Scepter, und doch Amor ihrem Haupte nahe
darstellen wollte, hätte ihm die Eirene des Kephisodotos ein leicht
benutzbares statuarisch durchgeführtes Vorbild bieten können, wie
dessen Anordnung, nicht der Gewandung, aber der Stellung, auf
dem Münzbild der Julia Mamaea, mit der Umschrift Veneri Felici,
für Venus und Amor benutzt ist. Aber für die Venus Genetrix, wie
sie auf dem Relief von Ravenna erscheint, hat man eine andere
Darstellungsweise vorgezogen, die in der Gewandung der Frau das
volle griechische Gewand, wie es z. B. die Eirene hat, so zu sagen
ins römische übersetzt, in dem spielerischen Motiv des Eros dagegen
jenen kleinen leichteren griechischen Werken am nächsten steht. Das
für die zusammengehörige Reihe römischer Reliefs massgebende Monu-
ment könnte vielleicht das Relief von Ravenna selbst sein. Aber wenn
auch die Uebereinstimmung der Münze des M.' Cordius mit diesem
nicht ausreicht, um das Münzbild für eine eigentliche Nachbildung
derselben Vorlage zu halten, so ist dennoch die Uebereinstimmung
der Münzen des Caesar und des M.' Cordius mit der allgemeinen
Anordnung der Relieffiguren zu gross, um nicht zu einer Erklärung
anzureizen. Die Ueberlieferung, deren Lückenhaftigkeit in solchen
Dingen freilich zur Genüge feststeht, nennt uns keine andere Dar-
stellung der Venus Genetrix, welche für die Epoche, um die es sich
handelt, massgebend gewesen sein könnte, als eben dies Werk des
Arkesilaos. So scheint alles zu dem Schlüsse zu drängen, dass in
der Venus des Reliefs von Ravenna eine Nachbildung des Werkes
des Arkesilaos gegeben sei. Aber der Schluss ist dennoch nicht
richtig. Zwar ist es wohl möglich, diese Relieffigur statuarisch zu
denken. Gewandstatuen von ähnlicher Stellung und Drapirung
sind in unseren Museen keine Seltenheit; auch eine derartige An-
bringung des Amor bietet keine Schwierigkeit und es ist dafür zu-
nächst gleichgültig, ob sie uns für ein grosses statuarisches Werk
sehr angemessen erscheint oder nicht. Aber man ist an sich ge-
neigt, in einem Werke, das ein Caesar einem, wie sich voraussetzen
lässt hoch angesehenen Künstler auftrug, eine hohe Leistung voraus-
zusetzen und mit vollem Recht hebt Bernoulli39) die Ungleichheit
des Werthes hervor, den das Motiv des mit halber Figur hinter der
Schulter der Venus hervorsehenden Amor in den verschiedenen

39) a. a, O. S. 114 f.
Archäologisch-epigraphisclie Mitth. III,

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