Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

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hört44), auf. Ainor erscheint neben dem Haupte der in ganzer Figur
dastehenden Venus auf der anderen Münze desselben C Egnatius,
welche Venus und Roma vereinigt45). Die Münzen dagegen, welche
sicher nach der Weihung des Tempels der Venus Genetrix geschlagen
sind, die der Münzmeister aus dem Jahre 710, weisen nicht Venus
mit Amor auf, sondern in einer, unverkennbar einen einzigen Typus
variirenden Reihe Venus als Siegesbringerin, stehend, bekleidet, das
Scepter mit der linken Hand haltend, auf der Rechten die Victoria46).
Das sind die Münzen, die offenkundig die siegverleihende Göttin
der Schlachten von Pharsalus und Munda, für die beide Caesar die
Losung Venus Victrix gab, verherrlichen47). Hier liegt es weit näher
als bei jener Münze des M.' Cordius, das Vorbild in einem statua-
rischen Typus48), also der Statue des Tempels der Venus Genetrix
zu suchen, welchen Caesar vor der Schlacht von Pharsalus, für die
er jene Losung ausgab, gelobte. Was ist natürlicher als zu denken,
dass jene Statue Symbole des Sieges an sich trug? In jeder Form
konnte Venus Genetrix genannt werden, da dieser Name an sich keine
religiöse Potenz, sondern die Abstammung des julischen Geschlechtes
bezeichnet; und eben weil sie Genetrix ist, hat sie sich als Victrix
erwiesen. Von den Münzen geben diejenigen, welche zur Linken
der Göttin am Boden stehend einen Schild zufügen, vermuthlich die
hierin am wenigsten verkürzte Reminiscenz; auf den Münzen des
P. Sepullius Macer und des L. Aemilius Buca ist der linke Arm
der Venus gehoben, auf denen des M. Mettius und des C. Cossutius
ruht er gesenkt auf dem Schild. Langbekleidet, stehend, den rechten
Fuss fest aufgesetzt, das linke Bein im Kniee leicht gebogen, die
Victoria auf der rechten Hand, in der Linken das Scepter, neben
sich zur Linken den Schild, das Haupt mit einem Diadem geschmückt
und, wie es einer Colossalstatue angemessen ist, vorgeneigt — so
denke ich mir nach diesen Münzen die Venus Genetrix des Arkesilaos,
der auf solche Weise durch ein grosses, ernsthaftes und feierliches
Tempelbild auf dem von Phidias in der Parthenos gezeigten Wege
fortschreitend, ein echter Vertreter der Renaissance seiner Zeit ist.
Eine Bestätigung dieser Vermuthung bietet, wie ich meine, ein Me-

44) Cohen M6d. de la röpuhl. pl. XVII. Egnatia 1. Mommsen Eöm. Münz-
wesen S. 613, 247.

4ä) Cohen a. a. O. pl. XVII Egnatia 2.

46) Cohen a. a. O. pl. II Aemilia 14. 15. XVI Cossutia 3. 4. XXVIII Nettia
3. 4. XXXVII Sepullia 4-8.

47) Borghesi Oeuvres II S. 160.

45) Vergl. Bernouilli a. a. O. S. 102, 12.
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