Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

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Eine caeretanische Vase, welche aus Castellanis Besitze 1865
in die Sammlung des k. k. österreichischen Museums für Kunst und
Industrie gelangte1), ist auf Vorder- und Rückseite mit zwei zu-
sammenhängenden genrehaft gedachten Bildern geschmückt. Wir
treffen einen alten, bärtigen Fischer mit zwei Jungen, die wir gleich
lieber seine Söhne nennen wollen, beim Tagewerke. Zu seinem
Posten hat er sich einen vom Meer umspülten, nur wenige Schritte
vom Strande entfernten Felsen gewählt, offenbar in der Absicht,
tieferes Wasser zu gewinnen. Seine Stellung ist dort freilich nichts
weniger als bequem. Die Beine an die Brust gezogen, die Sohlen
fest an das Felsstück gelegt, kauert er auf seinem harten, steilen
Sitze, sichtlich nicht ohne Gefahr gelegentlich ins Wasser zu fallen.
In der leicht erhobenen Rechten hält er die Angelruthe2). Mit ihr
zieht er aus dem fischreichen Wasser einen Fang in die Höhe, den
zu bergen der Korb bestimmt ist, welchen er schon in der Linken an
dem Bügelhenkel dafür bereit hält. Dem Alten gegenüber, aber
noch auf festem Boden, steht sein junger Gehilfe mit einem weiteren
Korbe, den er auf dem Rücken an einem Stabe trägt. Er bückt
sich vor und sieht, vergnügt über den glücklichen Zug, lebhaft die
Rechte vorstreckend, in die Tiefe. Ihm schliesst sich auf der Kehr-
seite der Vase sein Bruder an, der mit zwei Körben an einem Trag-
stocke hastig an das Ufer herbeiläuft. Er hat die vollen Behälter
weggetragen und kommt jetzt mit den leeren zurück. Hinter ihm
steht auf breitem Untersatze eine ithyphallische Herme, an deren
seitlich hervorstehendem Zapfen ein Kranz hängt.

Alle drei Figuren, der Vater sowohl als die Söhne, sind mit
einer Mütze, wie sie die Seeleute aus grobem, wasserdichten Filz
(m\og) 3) tragen, und mit einem kurzen Mäntelchen bekleidet, das

*) Katalog des k. k. öst. Museums III (ausgegeben mit Anfang April 1866)
n. 571. Die mit dieser Vase zugleich gefundenen, nunmehr grösstentheils im k. k.
öst. Museum für Kunst und Industrie aufbewahrten Gefässe beschreibt Brunn im
Bull, dell' Inst. 1865 p. 139 s. (vgl. Mittheilungen des k. k. öst. Museums Jahrg. I
n. 2 — 15. November 1865 — S. 17 f.), wo p. 217 unseres Stückes gedacht wird.

*) An der Angelruthe (Kd\a|uo<; oder oövotS) hängt das Zuggarn (Xivov, |ar)piv-
6oc, öpfiia), das meist aus Kosshaaren gedreht war. Anth. Pal. ed. Dübner VI
192, 3: YCMH'öv xotiTnaiv £<p' vjnreirjai uebnG^v ctYKiarpov; VI 23, 7; VII 702, 2 (?).

') iriXo<; uoaoiOTeYn«; Anth. Pal. VI. 90. 5.

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