Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

Seite: 26
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1879/0032
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
26

nach banausischer Sitte um die linke Schulter geworfen ist, wo es
den Knaben als Unterlage für die Tragstange4) dient. Die Ver-
wendung des Tragholzes zum Transport der Fische war im Alter-
thum gäng und gäbe, wofür neben den litterarischen Zeugnissen
auch die Monumente manchen Beleg bieten5). So namentlich das
Innenbild einer schönen volcenter Schale im Thorwaldsen-Museum
zu Kopenhagen6) mit einem jungen Fischer, der eben im Begriff
steht, das Holz mit den beiden Körben auf die linke Achsel zu
laden; sein Mäntelchen ist über beide Schultern geschlagen, wohl
in keiner andern Absicht, als die Last während des Marsches ab-
wechselnd bald auf die linke, bald auf die rechte Schulter zu nehmen.
An den Enden seiner Tragstange bemerkt man kleine Holznägel,
die das Herabgleiten der Körbe verhüten sollen. Praktischer noch
sind in dieser Hinsicht die nach Art eines Bogens geschwungenen
Tragreifen, welche von zwei vorzüglichen, zwischen Verona und
Montorio gefundenen Fischerfiguren in der Bronzensammlung des
k. k. Münz- und Antikenkabinets gehalten werden7). Der Bursche

4) Zevjöc, t' eüTrXeKewv öirupi&ujv Anth. Pal. VI 28, 5. Das Tragholz wird
von einigen Schriftstellern dcxiMa genannt: Simonides fragm. ed. Schneidewin 223,
Alkiphron ep. ed. Hercher I 1, 4: evQvq ovv öiudivcu Tr\r)criov, Kai tcxc; dcri\\a<;
^Truu^nouc; dve\6uevoi Kai rdc; eKarepinOev cnrupibac; eSapxricJavTec; aöxuo5 f|Trei-
Yovro; wenn es bogenförmig geschwungen ist, heisst es dvdcpopov oder cJKeuocpopiov.
Vgl. Böttiger Amalthea III S. 324 f. — Für die geflochtenen Körbe will Visconti museo
Pio-Clementino III pp. 43, 77 {opere IIIS. 146,249) die Bezeichnung aTTUpi&e<; nicht
gelten lassen, indem er annimmt, arrupic; bedeute Fischreuse, und davon selbst gegen
die Autorität des Hesychius die cpepviov genannte Gattung auf das bestimmteste zu
trennen versucht. Die Fischreuse im eigentlichen Sinne, wie sie auf Münzen von
Byzanz (Dumersan descr. des medaiües ant. du cabinet de feu M. Allier de Haute-
roche pl. 3. 8) abgebildet ist, heisst aber so gut wie immer KÜpxoc;, und die Ver-
wandtschaft von cpepviov und arrupic; bezeugen auch Pollux 6. 94: cpepviov tKa-
Aeixo öe oüxuj -f\ ixOunpd CTtupic;, Ammonius de simil. et diff. ed. Valcken. p. 144:
cpepviov 6e dXieuxiKÖv cirup(5iov und Eustathius p. 742, 59: cpepvia 6e ixOüuuv
<JTtupi6e<;. Wir dürften kaum irre gehen, wenn wir unter cpepvia (und ähnlich wird
auch KaXaGiöKOc; bei Theokr. id. 21. 9 zu fassen sein) die kleinen Handkörbe ver-
stehen, deren die Fischer sowohl beim Fischfang selbst (Clarac 881. 2243 B; Mon.
di Ercolano III 70 p. 273 = Panofka Bilder antiken Lebens 15, 2 u. a. m.), als
auch auf dem Markte (Clarac 879. 2241, 2242, 2245; 882. 2247 A, 2247 B, 2247 D)
zur Aufbewahrung ihrer Waare sich zu bedienen pflegten.

5) Vgl. Dubois Maisonneuve introduction ä V&tude des vases ant. 54, 3 = Pa-
nofka Bilder ant. Lebens 14, 5. — Ein junger Fischer, der auf einem Tragstocke
zwei Fische trägt, in einem Heroon auf einer Amphora im Museo Civico zu Triest.

6) Müller musie Thorvaldsen III sect. 2 n. 105, Micali monum. ant. 97, 3 -
Panofka Bilder antiken Lebens 15, 5.

7) Kat. n. 1130, 1132, v. Sacken: die antiken Bronzen I Taf. 44, 2 {Revue
arch. nouv. sirie XXXTT pl. 17, 6). Vgl. Conze in der Zeitschrift für die österr.
Gymnasien 1871 S. 829.
loading ...