Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

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werden also mit Venus verglichen, deren schützende Kraft von dem
julischen Hause auf den gesammten römischen Staat übertragen ge-
dacht werden muss. Eine weitere Entwickelung bezeichnen die
Gold-und Silberstücke der jüngeren Faustina, welche die beiden
vorzüglichen Eigenschaften der Venus als Schutzgöttin des römischen
Staates: die alles befruchtende und die Sieg verleihende Kraft
(Preller Rom. Mythologie 388 f.) aus dem Sammelbegriffe der Göttin
ausscheiden und als selbstständige Wesen mit bestimmten Attributen
hinstellen, beide werden seither auch durch die Umschriften unter-
schieden, indem die eine als VENVS GENETRIX, die andere als
VENVS AVGVSTA (pr.: Julia Titi, Domitia) und VENVS VICTRIX
bezeichnet wird. Von nun ab erscheint der oben beschriebene Typus
nur mehr mit der letztgenannten Umschrift, sowohl auf Goldmünzen
der Crispina (19), als auf Gold- und Silberstücken der Julia Domna
(99—103,114,115) und auf Goldstücken der Salonina (88). Er ist
fortan zwar nicht der einzige, aber der vorzüglichere Typus der
V. vidrix, er wird zumeist auf der angesehensten Münze des Reiches,
dem Aureus, angewendet, erscheint dagegen nie auf dem Kupfer-
geld, ist selbst keinen Variationen unterworfen, liegt aber mannich-
faltigen Nachbildungen als der bestimmende Urtypus zu Grunde.
Man kann ihn daher recht wohl den Typus princeps nennen. Da-
gegen ein aus ihm entwickelter zweiter Typus — der im Folgenden
als secundärer bezeichnet wird — erscheint häufig auch auf Kupfer
und ist in zahlreichen Varianten verbreitet, welche keineswegs auf
Verschiedenheiten in der Auffassung des mythologischen Charakters
der Göttin beruhen, sondern neben dem Urtypus und neben einander
gleichzeitig auftauchen und dem rein äusserlichen Zwecke dienen,
die verschiedenen Nominale in den drei Metallen oder verschiedene
Emissionen auch durch das Münzbild zu unterscheiden; dieser Zweck
wird durch Häufung oder Weglassung der Attribute oder durch Um-
stellung derselben erlangt.

Der secundäre Typus stellt die Göttin von vorne gesehen
dar, mit dem Chiton bekleidet, welcher die rechte Brust freilässt,
wie wir es an andern kriegerischen Frauen (Amazonen, Roma) zu
sehen gewohnt sind; nur selten ist auch diese Brust verhüllt (Julia
Mammaea 24, Salonina 85, 87). Die Säule ist weggelassen, dafür
stützt sich die Göttin zumeist auf den Schild. In den Attributen
herrscht bunte Abwechslung. Sie hält eine kleine Victoria und eine
Palme (Faustina junior 95, 96, 227, Suppl. 16) oder statt letzterer
eine Lanze (Lucilla 29, 91, hier ist der Helm auf dem Boden sicht-
bar, ebenso Caracalla 336), oder Helm und Palme (J. Domna 199),
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