Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

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endlich Apfel und Palme (Plautilla 17, in welchem Falle Amor neben
ihr mit dem Helme spielt, und Salonina, ohne Amor, 85). Einmal
sitzen zu ihren Füssen beiderseits Gefangene (Caracalla 339). Seltener
und wahrscheinlich auf Verwechslung mit Venus Felix von Seite des
Stempelschneiders oder des mit Einsetzung der Umschriften be-
trauten Arbeiters, hie und da vielleicht auf schlechter Erhaltung der
Originale und unrichtiger Beschreibung beruhen die Fälle, in welchen
die Symbole der Venus felix oder caelestis, der Apfel und das Hinauf-
ziehen des Hymation über die rechte Schulter, in den Typus der
V. victrix hereingezogen sind*). Weitaus wiegt der secundäre Typus
in seiner einfachsten Form über, in welcher die Göttin in der R.
den Helm, in der L. den Speer hält und letztere zugleich auf den
Schild an ihrer Seite stützt; so erscheint sie auf Münzen der Julia
Mammaea (24, 68 f.), des Gordianus III (149), Valerianus (136, 210),
Gallienus (550 f.), der Salonina (87), der Magnia Urbica (12, 13) und
des Vaballathus (4). Man sieht, die Attribute des Urtypus erringen
auch im secundären die Oberhand: Helm, Speer und Schild, sowie
die freiere Bekleidung, sind daher auch als die wesentlichen Attribute
der Venus Victrix zu betrachten. Namentlich ist wichtig, dass die
Symbole der Sieghaftigkeit, Victoria und Palme, obwohl erstere
schon auf den Münzen Caesars vorkommt, in den Typus princeps nicht
aufgenommen wurden**) und auch im secundären Typus, namentlich
zur Zeit des dritten Jahrhunderts, im Vergleich mit dem Attribut
des Helmes eine untergeordnete Stelle einnehmen.

Nicht minder verdient es Beachtung, dass, wenn auch die ge-
nannten Waffenstücke der V. Victrix vorzüglich zukommen, sie selbst
sich ihrer doch keineswegs bedient. In keinem Münzbilde hat sie
den Helm auf dem Haupte oder den Schild am 1. Arme, in keinem
schwingt sie den Speer. Vielmehr, wie die fast stereotype Bewe-
gung des r. Armes bezeugt, ist sie immer im Begriffe gedacht, diese
Waffen darzureichen. Für das Verständnis dieses Motivs sind die
Goldmünzen der jüngeren Faustina, welche den Typus princeps

*) Jul. Domna 98. — Plautilla 17. — Elagabalus 142. Auf Goldmünzen
der Magnia Urbica (3) ist der Typus der Venus felix geradezu mit der Umschrift
der Venus victrix versehen.

**) In einer dalmatinischen Inschrift aus Daniii bei Zara wird Venus direct
Victoria genannt (vENERI VICTORIAE PARTHICAE u. s. w.) Orelli - Henzen 5680.
Ein Analogon bietet der von Cohen Julia Domna n. 99 beschriebene Denar mit
der Umschrift VENERA VlCTOR^ae. Es ist bezeichnend, dass auch diese Umschrift
mit dem Typus princeps verbunden ist, also die betreffende Figur der Venus nicht
die Victoria, sondern den Helm auf der r. Hand hält.
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