Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

Seite: 33
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zeigen, im Vergleiche mit den zugehörigen Dupondien (Mittelbronzen)
mit der Umschrift VENERI ■ VICTRICI lehrreich. Ein Hauptbestand-
teil des ersteren ist die kurze Säule. Man muss sich vorstellen,
dass auf ihr die Waffen des Mars versorgt waren, der Helm auf
ihrer oberen Fläche ruhte, Schild und Speer an sie angelehnt waren.
Die Göttin ist herangetreten und nimmt Helm und Speer an sich,
um sie dem Kriegsgotte, der in den Kampf zu ziehen im Begriffe
ist, zu reichen. Indem sie den Herankommenden erwartet, stützt
sie sich auf die nun abgeräumte Säule und hält ihm den Helm ent-
gegen. Die Wendung des Körpers drückt diesen Gedanken treff-
lich aus; da sie sich von dem Beschauer abkehrt, wird die Beziehung
auf diesen aufgehoben und seine Aufmerksamkeit auf eine dritte
Person gelenkt, die er sich als herannahend zu denken gezwungen
ist. Dagegen auf den zugehörigen Mittelbronzen (226) ist Venus
nach dem bekannten Motiv der V. von Capua mit Mars zu einer
Gruppe verbunden ; er hat den aus ihren Händen empfangenen Helm
bereits auf das Haupt gesetzt, den Schild an den 1. Arm, das
Schwert, das hier anstatt des Speeres erscheint, in die R. genommen.
Die Göttin legt ihrerseits eine Hand auf seine Schulter und fasst
mit der andern seinen Arm, um ihn an sich zu ziehen, als wollte
sie ihm Sieg verheissende Worte zuflüstern*).

Beide Münzbilder stehen offenbar in Beziehung zu einander,
als zwei Momente eines und desselben Vorganges, der Ausrüstung
des Mars mit den geweihten, Sieg und Schutz bringenden Waffen.
An das Darreichen der Waffen knüpft sich die Vorstellung, dass
Venus victrix die Sieghaftigkeit ihres Wesens nicht durch eigene
Theilnahme am Kampfe, sondern durch den Schutz äussere, welchen
sie ihren Lieblingen angedeihen lasse; wem sie die Waffen reicht,
der kehrt unversehrt und siegreich aus dem Kampfe wieder, er hat
das Kriegsglück auf seiner Seite.

Diese Vorstellung scheint die allgemeinere geworden zu sein;
sie sprach sich am directesten aus, indem sie der V. victrix das
allgemeine Symbol der Sieghaftigkeit, die Victoria, nahm und sie
dafür den Helm darreichen Hess, der von allen übrigen Attributen
der Göttin am auffälligsten den Gedanken gewährten Schutzes aus-
drückt.

Während im Urtypus die Beziehung zu Mars, zwar nicht durch
dessen figürliche Darstellung, wohl aber durch die Anordnung der
Venusfigur erhalten bleibt, wird sie im secundären Typus ganz fallen

*) Eine Abbildung bei Cohen II pl. XIX n. 226.
Archäologisch-epigraphische Mitth. III.

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