Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

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Die gemeinsame Quelle, aus welcher unsere Ueberlieferung die
erste Erklärung des Sprichwortes schöpfte, war, wie die auch im
Scholion zu Plato unrichtige Erwähnung der Frösche des Aristo-
phanes beweist, ein alter Erklärer des Aristophanes und fügen wir
hinzu ein gelehrter. Da aber diese treffliche Erläuterung mit einem
falschen Citat versehen wurde, fand sie ihren Weg nicht in die vor-
liegende Scholiensammlung und an der Stelle wo sie stehen sollte,
finden wir die zweite Version, ein albernes, aus der schlüpfrigen
Situation bei Aristophanes herausspintisirtes Machwerk,

Die alte gute Ueberlieferung wird uns aber noch in ausführ-
licherer Fassung und mit fast entgegengesetztem Ausgange von
Konon Cap. 34 erzählt:

Kai('Obuo~aeuc)KaTÖTrtv T£YOvwc öxrdxoti tö Hicpoc, eKeTvov uev dveXeiv
ßouXnGeic, auxöc b' Axouolc tö TTaMdbiov KOui£eiv. xal auxoö ueMovxoc
TrXnYriv eußaXeiv (rjv ydp creXrjvn) öpa Aiourjbnc if]v auyr)v toO Eicpouc,
^Obuaaeuc b'dvaipeiv uev direcrxeTO dvxiaTracfaiuevou KaKeivou Siqpoc, beiMav
b5 öveibicrac Tt\aTeT tuj Siqpei ouk eGeXovxa TTpoievcu xuttxuuv xd vwxa
f]\auvev. il ou x\ uapoijuia „fi Atour|betoc dvdYKn" em Travxöc aKOucriou
XeYouevn.

Es hat ganz den Anschein, als ob diese Fassung die ursprüng-
liche, die früher erwähnte nur eine Variation wäre. Hier zieht sich
Odysseus durch einen seiner vollkommen würdigen Einfall aus der
bedrohlichen Situation. Er verwandelt den beabsichtigten Mord-
streich in einen gut gemeinten Hieb mit der flachen Klinge, wirft
Diomedes seine gerechte Besorgniss als feige Verdächtigung vor
und treibt ihn, ehe er noch zur Besinnung kommen kann, weiter
vorwärts *).

Die Sage vom Raube des Palladion künstlerisch zu gestalten,
lag zunächst für die attische Bühne ein patriotisches Motiv vor.
Athen hatte ja auch sein troisches Palladion, dessen mythische Pro-
venienz zu begründen nach antiker Anschauung vor Allem der Poesie
zukam. Die Erzählung Konons liest sich fast wie eine Hypothesis,
die Anspielungen Aristophanes und Piatons erklären sich auch am
besten durch die Annahme, ein Tragiker der Blüthezeit habe jenem
Mythos, der gewiss nicht direct von Lesches aus in den täglichen
Gebrauch des attischen Lebens übergehen konnte, die rechte Weihe
gegeben. Hat doch erst das Drama den Odysseus zu voller Typik
entwickelt und so der bildenden Kunst überliefert. Specifisch atti-

*) Auch Plato braucht in der angeführten Stelle den Ausdruck AiO|iir]6€ia
ctvÖYKr) für eine grosse moralische Pression, bei Aristophanes ist es physischer Zwang.
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