Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

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scher Charakter tritt hier allerdings nicht deutlich hervor. Den
zeigt, vollkommen ausgeprägt, eine andere Wendung der Sage, als
deren beste Quelle uns ein treffliches Schalenbild des Malers Hieron
gelten darf*). Hier hat, Odysseus wie Diomedes, jeder ein Palla-
dion erbeutet und sind in Streit für die Echtheit derselben entbrannt.
Von den bereits gezückten Waffen Gebrauch zu machen, hindern
sie Akamas und Demophon, beide inschriftlich bezeugt, während
Agamemnon und Phönix (gleichf. inschr. bez.) mit dem Gewichte
ihrer Autorität die Aufgeregten zu beschwichtigen versuchen. Wie
wir uns die Lösung dieses Knotens zu denken haben, darüber giebt
eine attische Tradition Auskunft, welche Demophon als Schieds-
richter nennt, in dessen Besitz das Palladion kam**). Hierons
Wirken aber fällt genau in jene Epoche, in welcher Sophokles in
seinen Lakedämonierinnen, Ion von Chios in seinen Wächtern die
Sage vom Palladienraub auf die Bühne brachten.

*) Mon. ined. d. inst. VI, 22.
**) Vergl. Jahn ann. d. inst. 1858 p. 259.

Wien

D M
I* PATVL
CI V S SE

V E R v S

V I XITM

WILHELM KLEIN

Inschriften aus Rumänien*)

a) Nationalmuseum von Bukarest.

1. Gef. in Russanesci auf dem rechten Ufer der Aluta; über der Inschrift
eine Aedicula, auf deren beiden Seiten ein Löwe en face dargestellt ist. Die In-
schrift ist von Guirlanden eingerahmt; h. 1*00, br. 061, d. 0"30; Schrift etwa des
3. Jahrhunderts:

*) Einige der hier mitgetheilten Inschriften (n. 3. 14. 16) habe ich bereits
in meinem Baport asupra unei missinui epigrafice in Bulgaria, Bucuresci 1878 publicirt.
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