Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

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2. Sandstein, gef. von Herrn Cesar B o 11 i a c (vgl. Trompetta Carpatiloru
20. August 1872 n. 1010 und Hirschfeld Epigraphische Nachlese in Sitzungsher.
der Wiener Akademie 1874 S. 375 Anm. 1) im Sommer 1872 in Celeiu hei der
römischen Strasse unter Steinen und Ziegeln, die das Fundament eines Gebäudes
bildeten. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat der Stein als Piedestal einer dort mit
anderen Statuenfragmenten (Jupiter mit Adler zu seinen Füssen, Minerva, Vestalin [?]),
Fresken und zahlreichen Ziegeln gefundenen Statue des Commodus, in der Hand ein
parazonium haltend, gedient. Die Keliefs, die sich, wie man deutlich erkennt, früher
unter der Inschrift befunden haben, sind mit dem Hammer behufs der späteren Ver-
wendung des Steines abgeschlagen worden. Die Inschrift selbst ist abgesehen von
der Verletzung der untersten Zeile vollständig erhalten, auf der rechten Seite sind
die Buchstaben etwas verlöscht. Die Buchstaben sind mit geringer Sorgfalt einge-
graben ; h. 0-72, br. 0-50, d. 0-25:

COMMODO AMT /
NINO NG SVBC/
RACL-XENOPHoI\
TIS P R O C AVG
ZOTICVS ET SAj /
ANVS SER// VI////
PQWP//N//

= Commodo Ant[o]nino Aug(usto) sub c[u\ra Cl(audii) Xenophontis proc{uratoris)
Aug{usti) Zoticus et Sa[lvi]anus ser(vi) vi[l(ici)] posue[ru]n[t] *).

*) Die naheliegende Annahme, dass der Anfang der Inschrift Imp. Caes.
M. Aur. oder wenigstens Imp(erätori) verloren gegangen sei, lässt sich mit der be-
stimmten Versicherung des Herrn Einsenders, dass der Stein oben ganz intact sei,
nicht vereinigen. Von einer Rasur des Namens ist, wie auch der mir übersandte
Abklatsch zeigt, keine Spur. Der Procurator Cl(audius) Xenophon ist bekannt aus
der Ephesischen Inschrift (C. I. L. HI, 6575): T. Gl. T. f. Papiria Xenophonti
[pro]c. Aug. ad bona co[ge]nda in Africa proc. provinc. Asiae subpraef. annonae
urbis, proc. Illyrici per Moesiam inf(eriorem) et Dacias tr es proc. argen-
tariarum Pannoniarum et Dalmatiarum proc. Daciae Apulensis proc. in Aegijpto ad
epistrategiam septem nomorum et Arsinoitum proc. viarum urbis Salvianus Aug. n.
vern. dispensator rationis extraord. provinc. Asiae. Die Statue des Commodus hat
er ohne Zweifel nicht als proc. Daciae Apulensis, sondern in der ausserordentlichen
procuratio Illyrici per Moesiam inßeriorem) et Dacias tres errichtet; Celeiu ist viel-
leicht der Sitz der Verwaltung des südlichen Daciens gewesen und möglicherweise
dürfte hier die Colonia Malvensis (Corp. III p. 893 n. 51) zu suchen sein. Die Ver-
anlassung zu dieser ganz singulären Combination der Donauprovinzen bot ohne
Zweifel der im Beginne der Regierung des Commodus an Daciens Grenzen entbrannte
Krieg, vgl. Dio 72, 8: eYevovxo be Kai TTÖXeuoi xive<; auxuj irpöt; xoüc; üirep xr)v
Aaidav ßapßäpou!; und Lampridius vita Commodi c. 13: victi sunt sub eo . . per
legatos Mauri, victi Daci, Pannoniae quoque compositae, [in] Britannia in Ger-
mania et in Dada imperium eius recusantibus provincialibus. Dieser vor dem Britan-
nischen fallende Krieg wird in die Jahre 182-3 zu setzen sein, in denen Commodus
die 5. und 6. imperatorische Acclamation erhält (Eckhel D. N. Vn, 110 sq., vgl.
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