Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

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262. Vase mit Stangenhenkeln (N. 102). H. 0-42. S. — A. Auf einem an
der Seite mit Opferblut bestrichenen Altar flackert ein Feuer. L. steht nach r. ein
Jüngling in unteritalischer Kriegertracht (kurzer auf Brust und Schultern gestreifter
Chiton mit breitem Gürtel, Chlamys um den Hals, hohe vorn aufgekrempte Mütze,
der phrygischen ähnlich, hohe Stiefel) und wallendem Ringelhaar, hält 1. den Speer
hoch aufgestützt und sein Ross (das um den Hals eine breite, vorn verknotete
Schärpe trägt) am Zügel, und giesst r. aus einem zierlichen Kantharos eine Spende
in die Opferflamme. R. steht nach 1. eine Frau im doppelten Chiton (der Bausch
über dem ersten Gürtel ist i noch unter dem bis an's Knie reichenden Ueberschlag
sichtbar), den Mantel mit Querstreifen am Saum auch über das Hinterhaupt gezogen,
in Schuhen mit (r. vorgestreckt) perlenbesetztem Kranz und (1. an die Brust ge-
lehnt) grosser Amphora (mit Räderhenkeln und trichterförmiger Mündung (vgl. M. 46,
der Körper des Gef. mehr wie N. 173). Ganz r. steht nach 1. ein Gefangener mit
rückwärts gebundenen Händen, trotzig gesenktem Haupt und barbarischen Gesichts-
zügen (gedrückte Stirn mit kurzem krausem Haar, aufgestülpte Nase, langer Kinn-
bart) im kurzen verzierten Chiton mit breitem Gürtel. 0. Schale, Binde und Perlen-
schnur. — B. Drei Mantelknaben, der mittlere mit Stab. O. zwei Disken und ein
Diptychon mit Griffel. — Abgeb. Buttovaz. Erwähnt Arch. Anz. 1853, S. 402, 20.
Zwei Vbb. Cat. Dur. 857 und 858 zeigen Jünglinge in "Waffen spondirend, dabei
gebundene Kriegsgefangene (doch wohl eher Rückkehr als Abschied nach Stephani
Compte rendu p. 1873, S. 113 ff.).

263. Desgleichen. H. 0-465. Sauber. S. — A. R. steht nach 1. ein Jüng-
ling im Chiton w. o. und langem Ringelhaar mit (r. zur Erde gesetzt) Schild und
(1.) Speer; (sein Helm hängt vor ihm), 1. nach r. eine Frau im Doppelchiton und
Schleier mit Diadem, 1. einen Gewandzipfel hebend, auf der R. eine Schale. L. von
dieser eine zweite ähnliche Gruppe: 1. sitzt ein Jüngling gleich dem ersten nach
r. auf seinem über eine niedrige Stele mit Basis gebreiteten Mantel, 1. auf den Speer
gestützt, in der R. sein Schwert sammt der Scheide; r. steht nach 1. ein Mädchen
im gestickten Chiton (Gürtel gelb, Ueberschlag bis zum Knie) und shawlartig um-
gelegten Mantel mit (1.) bauchiger Amphora (N. 75 ohne Fuss) und (r.) Korb, worin
weisse Gewänder (?). Dazwischen o. ein halber Rundschild. — B. R. steht ein
junger Satyr mit (r.) Thyrsos und (1.) Rehfell nach 1.; 1. nach r. ein Mädchen in
Chiton und Mantel mit (r. Vorgestreckt) Trinkhorn; weiter 1. ebenso ein zweites
Mädchen in gleicher Tracht mit (r. w. o.) Kranz. — Abgeb. Buttovaz. Schlecht
beschr. Arch. Anz. 1853, S. 402, 17. („Zwei Frauen geben an zwei Amazonen die
Waffen zu ihrer Rüstung.")

264. Desgleichen. H. 0-5. S. — A. Ein Mädchen im einfachen bordirten
Chiton, Kopftuch, Hals- und Armschmuck sitzt nach r. auf einem Felsen und hält
mit der R. eine auf ihrem Kopfe stehende Amphora mit Räderhenkeln (M. 46), auf
der vorgestreckten L. eine Schale. R. steht nach 1. ein Jüngling in unteritalischer
Kriegertracht (Chiton w. o., Chlamys shawlartig, bebuschter Helm, einer phrygischen
Mütze ähnlich), mit wallenden Locken, 1. unter dem Rundschild zwei Speere mit
breiten Spitzen, deren Schäfte nur kurz angedeutet sind*), r. mit einem Kantharos
aus der Schale des Mädchens schöpfend. (Vgl. 96 B. u. 266.) L. steht nach r. ein Mann
von königlichem Aussehen mit langem Bart, im wallenden Haar eine vorn mit auf-
stehenden Federn besetzte Tänie, über dem Chiton (w. o.) einen langen bordirten

*) Vgl. Heydemann Vasens. z. Neapel S. 534, Anm. 3.
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