Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

Seite: 78
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Panathenäenfest in Erinnerung bringt, zugleich ein freilich kaum
noch nöthiges und nur indirectes Zeugniss für die Beziehung der
Polias zu den grossen Panathenäen. Die Darstellung auf der Le-
kythos ist freilich nur eine private Anerkennung, aber sie hat wieder
das Besondere, dass, während die übrigen Copien — von den Statuen,
Münzen, den Bleimarken und, wie mir scheint, auch der Amphora,
lässt sich dies mit grösserer Bestimmtheit behaupten als von dem
Relief — die Gruppe als solche wiederholen, jene augenscheinlich
die beiden Freunde lebend zur That eilend vorstellen will, was sie
freilich nur mit den durch die öffentlichen Standbilder typisch ge-
wordenen Formen zu thun vermag. Das zeigt sich in der grösseren
Lösung der Figuren, in der etwas freieren Bewegung, namentlich
aber in dem zugethanen Gebüsch, aus dem die Beiden hervorbrechen;
mag dies nun, was ich nicht glaube, eine gedankenlose Zuthat sein
oder eine Symbolisirung des im Verborgenen geplanten Anschlags,
etwa herausgewachsen aus dem bekannten Skolion

ev uupxou xXaol tö £iqpoc, cpopY]OUJ

oder ein Zug historischer Treue. In letzterem Falle Hesse uns
freilich unsere Ueberlieferung der athenischen Topographie eben so
viel Freiheit an dem Orte der That beim Leokorion, wie an dem
Orte der Standbilder auf der Orchestra Pflanzungen zu denken.

Wichtiger aber ist die Frage, welche der beiden athenischen
Gruppen, die ältere des Antenor, wie man annimmt 510 oder
bald danach aufgestellt, oder die jüngere von Kritios und Nesiotes
im Jahre 478 gearbeitete das Vorbild unserer Wiederholungen ge-
wesen sei, oder ob, was das Erwünschteste wäre, für die einen die
ältere, für die anderen die jüngere. Von aussen her lässt sich nichts
bestimmen, denn von keiner der früher bekannten Copien ABabcc* d
lässt sich meines Erachtens mit Grund behaupten, dass sie aus der
Zeit vor der Rückkehr der älteren Gruppe nach Athen stamme*);
von unserer Lekythos e könnte man das freilich behaupten, aber
wiederum ohne mit Bestimmtheit sagen zu können, ob sie vor 480
oder nach 478, in jenem Falle nothwendig nach der älteren, in
diesem wahrscheinlich nach der jüngeren Gruppe gearbeitet sei.
Ebensowenig ist uns über das Verhältniss der beiden Original-
gruppen zu einander etwas überliefert; man nimmt nur allgemein
an — die Gründe dafür sind zuerst von Benndorf in den

*) Freilich hat die Polias auf d die Richtung linkshin, was nach de Witte
seit 336 anders wird, aber jene Amphora gehört ja zu einer besonderen Classe von
Preisgefässen.
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