Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

Seite: 126
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1879/0136
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
126

in Baracska bei Stuhlweissenburg, dem antiken Herculia. Herrn
Kuliffay danke ich die freundliche Ueberlassung von Photographien
zum Behuf der Veröffentlichung in diesen Blättern.

Der Finder stiess bei einer Feldregulirung dicht neben seinem
Weingarten auf einen grösseren Stein und kam bei tieferem Graben,
da er auf Schätze hoffte, auf noch zwei ähnliche rohbehauene Steine,
unter deren letztem sich Asche, Urnenscherben und unsere Statuette
vorfand.

Dieselbe ist von weissem Marmor und misst vom unteren Rande
der Basis bis zum Scheitel 0*28. Sie stellt Hercules in einem sehr
geläufigen Motiv und in dem Typus der späteren römischen Kunst
dar. Der Gott ist nackt bis auf ein grosses Löwenfell das über
seinen linken Arm herabfällt und stützt die weit vom Körper ab-
stehende und durch eine Querstütze mit der Hüfte verbundene rechte
Hand auf eine massive Keule. In der linken Hand hält er die Hes-
peridenäpfel. Abgesehen von einer Beschädigung am rechten Knie
ist die Figur sehr wohlerhalten und nicht übel gearbeitet. Hals und
Schultern haben die herkömmliche mächtige Bildung, die muskulöse
Brust ist gewölbt und dem späteren Herculesideal entsprechend
sind die Verhältnisse sehr gedrungen. Die unausgeführte Rückseite
lässt vermuthen, dass die Figur in einer Nische aufgestellt war,
womit auch eine gewisse reliefartige Behandlung der Formen über-
einstimmt. Zu vergleichen sind zunächst drei Herculesstatuetten
im ersten Saale des unteren Belvedere (Sacken und Kenner n. 48.
50. 101°), welche gleichfalls aus Ungarn stammen, annähernd dieselbe
Grösse haben und auch in der an Hochrelief erinnernden Behand-
lung der Formen übereinstimmen.

Linz ADOLF BAUER

Neuere Erwerbungen der Antikensammlung
des A. h. Kaiserhauses

Die Aufgaben, welche dieser Sammlung als der einzigen in
Oesterreich, deren Schwerpunkt in der Repräsentation der gesammten
classischen Kunst liegt, zufallen, sind vielfache; denn es handelt
sich nicht nur um die Denkmale der grossen Kunst, sondern auch
um die der Kleinkünste, um die Darstellung des antiken Cultur-
loading ...