Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

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des arkadischen Pan entsprechen, wie er, in ähnlicher Stellung auf
den kleinen arkadischen Silbermünzen so häufig vorkommt (auf
denen nicht zu erkennen ist, was die erhobene rechte Hand hält,
die linke hält das Lagobolon), — indess sprechen die Stierhörner
gegen diese Deutung und für die als Stierdionysos. Dieser ist bei
ganz menschlicher Bildung meist nur in Büsten und Köpfen bekannt,
anmuthig jugendlich, wie die Büste des Museo Pio-Clementino, sogar
von weiblicher Zartheit, wie der sogenannte Ariadnekopf des Capitols,
um so interessanter erscheint daher unsere Statuette. Leider hat
die Epidermis dieser vorzüglichen Bronze durch eine körnige Patina,
die freilich wieder ein Kriterium ihrer Echtheit abgibt, gelitten,
wodurch die feineren Details der Modellirung verloren gingen. Die
Gruppe war auf einem flach gewölbten Gegenstande applicirt, es
sind noch einige Nieten erhalten, welche zu diesem Zwecke an-
gebracht wurden.

3. BocksfÜSSiger Pan, Bronze attischer Provenienz, ursprünglich
14 Ctm. hoch. Er erscheint hier in sehr energischer, heraus-
fordernder Haltung und lebhafter Bewegung, rasch vorschreitend,
den Kopf links gewendet. Das lange schmale Gesicht erhält durch
die hinaufgekniffenen Augenbrauen, den langen Bocksbart, die
zottigen, hinter die Ohren zurückgestrichenen Haare und die kleinen,
flach zurückgebogenen Hörnchen auf der Mitte des Scheitels ein
rohes, thierisches Aussehen. Der Nacken ist überkräftig, die Brust
ausgebogen. Leider fehlen dieser geistreich skizzirten Figur die
Hände und der untere Theil der Bocksfüsse.

4. Von den überaus reizvollen tanagräischen Terracotten gelang
es, eine grössere Reihe zu erwerben, welche diese Gruppe griechischer
Kunstdenkmale gut repräsentirt. Diese völlig genremässigen, dem
täglichen Leben entnommenen Darstellungen eröffnen in der That
ganz neue Gesichtspunkte für unsere Kenntniss der griechischen
Kunst der späteren Zeit und gewähren einen eigenthümlichen Einblick
in das reale Leben, sowie eine Fülle reinen Kunstgenusses durch
die anmuthigen Bildungen, namentlich der Frauengestalten; letztere
sind überhaupt bei den tanagräischen Statuetten in überwiegender
Zahl vertreten, so auch unter den unsrigen, denn unter den zwanzig
angekauften Figürchen sind sechzehn weibliche.

Die grösste, 32 Ctm. hoch, von ruhiger Stellung hält in der
gesenkten, mit dem Gewände umwickelten L. den Fächer, die R.
ist in den Schleier gehüllt, der vom Kopfe herabfällt; auf dem
Scheitel sitzt, nach vorne geneigt, ein scheibenförmiger Tutulus mit
anger Spitze.
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