Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

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Chiton, ein blaues Tuch ist über die rechte Schulter und um den
linken Unterarm geschlungen, die Haare umhüllt ein dichter Kekry-
phalos. Ein andere (14 Ctm.), eine gedrungene Gestalt mit rundem,
sehr gewöhnlichem Gesichte, zeichnet sich durch die Farben des
Gewandes aus, die noch wohl erhalten sind; der weisse, ärmellose
Chiton, mit einem rothen Bändchen gegürtet, hat vorne der ganzen
Länge nach einen breiten violetten Streifen mit einer gelben Linie
in der Mitte, das schärpenartig umgeschlungene Tuch, welches auch
die gebogene linke Hand bedeckt, ist hellblau. Bei zwei kleinen,
bürgerlich matronenhaften Gestalten von 11 Ctm. Höhe ist die
überaus feine Durchführung der faltigen Gewandung bemerkenswerth.

Von einer grösseren Statuette ist nur mehr das reizende
Köpfchen erhalten, von besonders regelmässig schönen Zügen mit
träumerisch blickenden Augen, leicht zur Seite geneigt, mit einem
Schleier bedeckt, der auf dem Scheitel einen breiten, viereckigen
Ueberschlag, fast wie bei den heutigen Neapolitanerinnen, bildet. Eine
merkwürdige Specialität sind zwei Schlitze über dem unteren Rande
desselben, die keinen anderen Zweck haben konnten, als zum Durch-
sehen, wenn der Schleier kokett bis auf das halbe Gesicht herab-
gezogen wurde.

Eine besonders geistreiche Skizze ist ein junges Bürschchen
(16 Ctm.), bekleidet mit weisser, ärmelloser Tunica und rosenrother
Chlamys, den thessalischen Hut mit seitwärts abgebogener Krampe,
rothem Randstreifen und Umbo gestürzt auf den Kopf gestülpt, der
sich, wie ermüdet, auf einem Felsensitze ausruht. Die jugendfrische
Gestalt, in momentaner Stellung leicht hingegossen, bereit, jeden
Moment wieder elastisch aufzuspringen, mit dem runden, mädchen-
haften Gesichtchen, umrahmt von kurzen, krausen Haaren, macht
einen ungemein lebendigen Eindruck. — Von fast monumentaler
Fassung, wie eine Miniaturstatue (18 Ctm.), erscheint ein Jüngling,
den gebogenen linken Arm, an dem ein rundes Körbchen mit spitzem
Deckel hängt, auf einen Cippus gestützt, mit der rechten Hand
leicht das einfache Himation fassend, das, über die linke Schulter
gezogen, den Oberkörper frei lässt und die Beine bis an die Knöchel
umhüllt; den zur Seite blickenden Kopf schmückt ein wulstiger
Kranz. Der Formenfluss und die treffliche Modellirung der Brust
verrathen eine besonders feine Künstlerhand.

Von geringerer Arbeit ist ein zweiter Ephebe, ebenfalls mit
blossem Oberleib; an der linken Hand hängt ein kleines, unten
zugespitztes Gefäss (ein Alabastron?), die rechte ruht auf einem
Cippus, an dem, weit vorspringend, eine komische Maske angebracht
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