Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

Seite: 132
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1879/0142
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
132

ist (mit dem Cippus aus einem modellirt); das jugendliche Gesicht
zeigt einen freundlich lächelnden Ausdruck.

Einen schlagenden Gegensatz zu den oben beschriebenen feinen
Frauengestalten bildet eine hässliche Alte von derben Zügen, sitzend
(9 Ctm.), ein kleines mit langem Röckchen bekleidetes Kind auf
dem Schosse, auf welches sie mit grinsender Freundlichkeit herab-
blickt, während das Kind sich nicht viel um sie zu bekümmern
scheint; es liegt etwas von aristophanischem Humor in dieser
Gruppe.

Einen solchen Eindruck macht auch ein Comödiant, wohl in
der Rolle Silen's, stehend, bekleidet mit kurzer Exomis und Chlamys,
kahlköpfig, die verzerrte komische Maske mit Glotzaugen vor das
Gesicht haltend, einen Weinschlauch quer über die Schultern gelegt.

Bei der grossen Seltenheit sacraler Darstellungen unter den
tanagräischen Bildwerken, verdient ein Figürchen von Ii Ctm.
Höhe Beachtung, welches durch die grosse, geschultert getragene
Fackel in der Rechten und den Modius auf dem Haupte als Demeter
charakterisirt ist. Der Kopf mit langem, auf die Schultern herab-
wallendem Haar, die mit Chiton und Himation bekleidete Gestalt,
erscheinen jugendlich.

Von derselben Fundstelle rühren noch einige Bildwerke her
von weit geringerer künstlerischer Bedeutung, aber durch manche
stylistische Eigenthümlichkeit interessant:

Ein rohes Idol, 23 Ctm. hoch; der Körper ein flaches Rechteck
ohne alle Modellirung mit zwei horizontalen, zapfenartigen Ansätzen
statt der Arme, ohne Füsse, das lange Gesicht von alterthümlichem
Typus, auf dem Kopfe eine hohe Mütze oder ein Modius, vorne
mit zwei Disken übereinander; auch als Schmuck der Ohren und
der Schultern sind Scheiben angebracht. Wangen und Lippen sind
bemalt, desgleichen der Leib mit zwei verticalen Reihen von Spiralen
und geflechtartigen Streifen.

Nackte knieende männliche Figur, wie es scheint ein egyptischer
Gaukler (10 Cent.); dieselbe war schwebend aufgehängt, die Schnur
dazu hielt sie mit beiden Händen vor der Brust, die zu diesem
Zwecke durchbohrt sind. Der Kopf zeigt den archaischen Typus,
die Haare sind in egyptischer Weise angeordnet, theils in Locken-
reihen über dem Nacken, theils in gelockten Strähnen auf die
Schultern herabfallend. Der Körper ist mit allerlei Blättern und
Rosetten einfärbig bemalt, wie tättowirt. —

Von derselben Art ist eine weniger stylisirte, hockende dick-
wanstige Figur (9 Ctm.) mit unverhältnissmässig kleinen, am Leibe
loading ...