Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

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lebensvolle Charakteristik, selbst technische Ausführung in Weichheit
der Behandlung und vollständiger Polirung anbelangt, steht dieser
Stein hoch über den meisten Cameen der römischen Kaiserzeit und
er ist in künstlerischer Beziehung als einer der vorzüglichsten Portrait-
steine der doch so reichen kaiserlichen Sammlung zu bezeichnen.

Ein 53 Cm. grosser Chalcedon - Camee ist weniger wegen
seines Kunstwerthes als wegen des Umstandes bemerkenswert!!, dass
er als eine spät römische Copie des Zeus aigiophoros, bekannt unter
dem Namen Cameo Zulian, in der Marciana zu Venedig erscheint.
Es ist eine ziemlich derbe, trockene, aber freie Nachbildung, der stark
erhabene Kopf weniger gewendet, als beim Originale, fast ganz
en face zu sehen, mit kurzer Nase, glotzigen Augen, ohne Mar-
kirung der Sterne, die Behandlung des Haares und Kranzes nüchtern.

Kleinere Cameen und Intaglien :

Kopf des Zeus in pantheistischer Auffassung mit Ammons-
hörnern, Modius und Strahlen, vor ihm ein schlangenumwundener
Dreizack. Carneol-Intaglio von delicater Ausführung.

Venus, stehend, einen Zweig mit drei Blüthen- oder Blatt-
büscheln in der L., nimmt den Bogen in Empfang, den ihr der
kleine Amor darreicht. Plasma-Intaglio, 16 Millim., von vorzüglicher
römischer Arbeit, in antiker Ringfassung von Gold. Diese ist quer
oval, aussen beiderseits ziemlich spitz, daher kaum zum Tragen an
der Hand geeignet, einfach durch Einschnitte in Kelchform verziert.
In Mainz gefunden.

Victoria in der Biga, Plasma-Intaglio, wegen der Lebendigkeit
der rasch dahin eilenden Pferde und der Zartheit der Ausführung
bei der Kleinheit des Steines — er hat nur 8 Millim. Länge —
bemerkenswerth.

Heros (Pelops?) die Rosse tränkend, Carneol-Intaglio, 2 Ctm.
lang, von trefflicher Ausführung, die in der Leichtigkeit des Tocco
eine sehr gewandte Hand bekundet. Der Heros bis auf eine leichte,
über den L Schenkel gelegte Chlamys unbekleidet, hat, ausruhend,
den 1. Fuss auf den Rand des Brunnens gestellt, den 1. Arm auf
den Schenkel gestützt, die Hand gegen den Kopf erhoben, die R.
hält den Speer; vor ihm vier ungezäumte Rosse, deren eines aus
dem Troge trinkt, dabei hockt ein Sklave mit phrygischer Mütze,
der aus einer Hydria trinkt; hinter den Pferden wird noch ein mit
Sturzhelm und Schild Bewaffneter sichtbar. Hinter dem Heros
steht in feinen Buchstaben vertical und retrograd: neprAMOY, wohl
auf den bisher zweifelhaften Steinschneider Pergamos zu beziehen
(vgl. Brunn, Gesch. d. griech. Künstler II, 572), doch dürfte die
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