Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

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lockige Haar schmückt ein Lorbeerkranz, dessen Bänder auf die
Schultern herabfallen. 10 Ctm.

Für die kaiserl. Sammlung sind selbstverständlich Funde, die
im Bereiche des Kaiserstaates gemacht werden, besonders werthvoll,
daher auf die Erwerbung von solchen ein besonderes Augenmerk
verwendet wird. Es kann nicht anzustreben sein, alle Funde hier
zu vereinigen, da viele und gerade solche von localer Bedeutung,
z. B. Inschriften, in Provinzial-Museen, ja am Fundorte selbst eine
passendere Stelle finden, auch mehr beachtet und gewürdigt werden,
als in einem grossen, allgemeinen Museum, wo sie einen unterge-
ordneten Rang einnehmen, jedoch handelt es sich um die Reprä-
sentanz der wichtigeren Fundstellen durch eine Reihe von Objecten,
welche diese ihrer culturgeschichtlichen Stellung nach gut charak-
terisiren. Hervorragende Denkmale von allgemeiner Bedeutung finden
den richtigsten Platz im Centrale, schon wegen der hier allein mög-
lichen Vergleichung mit verwandten Denkmalen.

14. Von Österreichischen Funden, welche in den letzten Jahren
hier erworben wurden, sind vor allen hervorzuheben fünf in Dal-
matien gefundene Bronzefiguren, welche offenbar zu einer
Gruppe gehören und, wie aus der Fläche ihrer Rückseite und daselbst
angebrachten mitgegossenen Zapfen hervorgeht, auf einem grösseren,
beiderseits sanft gebogenen Gegenstande applicirt waren. Im Museum
zu Brescia (Mus. Brest, illustr. I, tav. LIII) befindet sich eine ganz
ähnliche Gruppe, die auf der bronzenen Brustschiene eines Pferdes
angebracht war, welches den Palast des Vespasian zu Brescia
schmückte. Hiernach hatten auch unsere Figuren eine solche Ver-
wendung, nämlich als Brustschmuck eines monumentalen Pferdes.
Eine Figur (ein mit seinem Pferde stürzender Barbar), die sich,
von unbekannter Provenienz, schon seit älterer Zeit in der Sammlung
befand, gehört nach Darstellung, Styl, technischer Ausführung und
Patina offenbar zu dieser Gruppe.

Alle sechs Figuren stellen sich als eine Scene aus einem Bar-
barenkriege dar. Den Mittelpunkt der Gruppe bildet der jugendliche
Feldherr oder Imperator auf sprengendem Pferde in heftiger Be-
wegung, den r. Arm und die Hand nach rückwärts weit ausgestreckt»
wie um die Seinigen zum Kampfe anzufeuern; er trägt die Rüstung,
darüber das flatternde Sagum, an den Füssen Halbstiefel, der Kopf
ist unbehelmt, das wohlgezäumte Ross mit Stutzschweif hat eine
Löwenhaut-Decke. Er reitet, ähnlich wie es auf so vielen Kaiser-
münzen seit Vespasian vorkommt, über einen zu Boden gestürzten
Feind hin, der sich mit halbem Leibe aufrichtet, zu seinem Gegner
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