Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

Seite: 143
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1879/0153
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
143

emporblickt und um Gnade flehend die R. erhebt; durch die Bein-
kleider und den entblössten Oberleib ist dieser, ein unbärtiger
Jüngling, als Barbar gekennzeichnet. Weiterhin sehen wir einen
fliehenden Barbaren, der im Laufe den Kopf gegen den gefallenen
Gefährten zurückwendet, bärtig, mit langem, struppigem Haar, blos
mit einem Sagum bekleidet, an der L. den länglich viereckigen
Schild, die R. hielt das Schwert. Den Schluss der Gruppe nach rechts
hin bildet, nach Analogie mit dem Brescianer Denkmal, der oben
erwähnte Barbar, dessen Pferd eben in die Kniee sinkt, während
er ebenfalls stürzt; er ist bärtig, mit Aermelrock, Sagum, Hosen
und Schuhen bekleidet, unbehelmt, die L. mit dem langen gespitzten
Schilde hat er, um das Gleichgewicht zu erlangen, hoch erhoben,
in der gesenkten R. hielt er das Schwert; das Pferd, ohne Kopf-
zäumung, ist mit einer viereckigen Schabracke bedeckt.

Die Gruppe hinter dem Feldherrn ist nicht vollständig, es fehlt
hier offenbar eine Figur; erhalten sind blos zwei: der Aquilifer mit
dem auf dem Blitze sitzenden Legionsadler, dessen Flügel er mit
der r. Hand berührt. Er trägt einen doppelten kurzen Leibrock,
Schuhe, auf dem Kopfe eine Löwenhaut; die Stange des Signums
ist mit zwei Phaleren geschmückt. Neben diesem der Schildträger
des Feldherrn, ihm in eiligem Laufe folgend, blos mit einer leichten
Exomis bekleidet, in der L. einen kleinen Rundschild, auf der R.
einen seltsam geformten, dachförmigen Helm mit Backenklappen
und Crista aus vier hintereinander aufgestellten Federn. Die ganze
Gruppe ist sehr lebensvoll; die etwas kurzen Proportionen der Fi-
guren, der Charakter der Köpfe und die Art der Behandlung weisen
auf das III. Jahrhundert als Entstehungszeit hin. Im Museum zu
Klausenburg befinden sich, zufolge Prof. Benndorfs freundlicher
Mittheilung, Bruchstücke ähnlicher Art mit einem römischen Reiter,
von einem zweiten Spuren auf der Schiene, und zwei kämpfenden
Barbaren zu Fuss; sie wurden zu Arokalya bei Bistritz gefunden.
Auch in Turin sind solche Theile eines Pferdebrustbandes, die Figuren
sind ein berittener Feldherr mit ausgestreckter R. und zwei behoste
Reiter auf springenden Pferden. (Heydemann, Mitth. aus An-
tikensamml. in Ober- und Mittelitalien V, S. 41 Nr. 29; vgl. auch
Bronzi d'Ercolano I, p. 39.)

15. Aus Carnuntum.

Seitdem im Schlosse zu Petronell durch dessen Besitzer Grafen
von Abensperg-Traun und im Schlosse zu Deutsch-Altenburg durch
Baron Ludwigstorf Localsammlungen von Carnunter Funden in
höchst verdienstvoller Weise angelegt werden, kommt von daher
loading ...