Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

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noch nicht die letzte derselben Wand, was aus den zahlreichen Hieben
hervorgeht, die behufs der Festigung eines neuerlichen Bewurfes
gemacht wurden. Diese geringen Reste römischer Wandmalerei
sind besonders darum interessant, weil sie unwiderleglich bezeugen,
dass die dabei angewendete Technik das eigentliche al fresco war,
denn nur bei dieser kann die Malerei nicht sofort übermalt, sondern
es muss ein neuer Mörtelbewurf gemacht werden, der dann in noch
feuchtem Zustande bemalt wird; die Befestigung desselben durch
Einpicken des unteren Bewurfes wurde zu allen Zeiten ebenso her-
gestellt. Uebrigens zeigt auch die Behandlung und der Auftrag der
Farbe die Eigenthümlichkeiten der echten Fresco-Technik.

Eine grössere Anzahl von Eisengeräthen, darunter eine Sense,
eine Haue, einerseits mit horizontaler, andererseits mit verticaler
Schneide, eine Schaufel, eine Maurerkelle, Lanzenspitzen, Messer
verschiedener Grösse und Form, darunter eines mit stark geschweifter
Klinge und Beingriff, am Griffe eines anderen ein beweglicher Ring,
Beile, eine grosse Schmiedezange, ein Gusslöffel mit einer Stütze am
Ende des Griffes, damit er nicht umfalle, sehr grosse Nägel, Schlüssel.

24. Von Ossero auf der Insel Cherso.

Der Erzpriester und Pfarrer Dr. Joh. Bolmarsic fand bei regel-
mässigen Nachgrabungen an der Stelle des römischen Apsorus eine
Menge von Schmuckgegenständen, G-efässen u. s. w., aber besonders
viele Bernsteinsachen. Von letzteren wurden einige Perlen und Ringe
erworben, ferner eine sehr wohl erhaltene Pincette, wie solche als
Toilettegeräth nicht selten vorkommen und zwei grössere Bogen-
fibeln aus Bronze 10 und 15 Ctm. lang; der Dorn bei beiden an
einer Spiralwindung federnd, am Ende des Nuthlappens bei ersterer
eine Scheibe, bei letzterer ein lanzettförmiges Blatt, im Tremulir-
stich verziert. Besonders merkwürdig sind zwei Schleuderbleie.
Das eine trägt ganz fein eingeritzt die Aufschrift in drei Zeilen:
piirtinaoia | vosradicitvs | toliit, wahrscheinlich der Mahnruf eines
Belagerers an die hartnäckigen Belagerten. Aus der Form der e
und a lässt sich auf das hohe Alter der Glans schliessen. Bei der
zweiten ist eine Spitze abgeplattet und hier ebenfalls vom Besitzer
eingeritzt: iatc.

Unter den mancherlei für Culturgeschichte lehrreichen Denk-
mälern und Anticaglien von nichtösterreichischen Fundorten will ich
nur einige zu Mainz gefundene anführen:
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