Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

Seite: 151
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25. Ein römisches VergrÖSSerungsglas. Mitten unter römischem
Glaswerk wurde eine biconvexe Linse von 5*5 Centim- Durchmesser,
stark oxydirt und hie und da irisirend, gefunden, die wohl kaum
zu einem andern Zwecke in dieser Form gearbeitet worden sein
kann, als um als Vergrösserungsglas zu dienen. Wenn man manche
Erzeugnisse der römischen Kunst, insbesondere oft ganz winzige
geschnittene Steine betrachtet, drängt sich die Ueberzeugung auf,
dass sie kaum ohne Zuhilfenahme eines Vergrösserungsapparates
gearbeitet sein können; nach der gewöhnlichen Annahme bediente
man sich hiezu des Wassertropfens.

26. Der Inhalt von zwei Gräbern römischer Soldaten. Das eine,
an der Mambacher-Strasse ausserhalb Mainz aufgefunden, ist das
eines Soldaten der XXII. Legion. Die Aschenurne und die Beigaben
waren dachartig überdeckt mit zwei gegeneinander gelehnten Dach-
ziegeln mit dem Stempel der XXII. Legion, oben mit einem Hohl-
ziegel, eine Bestattungsweise, die auch sonst häufig, z. B. zu Bruck
a. d. Leitha bei minder bemittelten Römern vorkommt. Die Bei-
gaben der Aschenurne sind: zwei Thonflaschen, eine flache und
eine unverzierte Sigillataschale, eine Lampe, ein Libationsfläschchen
aus Glas, ein sehr wohl erhaltener Stilus und ein langer Steinbohrer,
beide aus Eisen, nebst einem Kästchen, von dem die eisernen Be-
schläge und das Schloss noch erhalten sind.

Das zweite bei Bingen aufgedeckte Grab enthielt: die graue
Aschenurne mit fünf Reihen geschachter Strichelverzierungen, nebst
den Resten des verbrannten Leichnams eine Bronzemünze von Ha-
drian enthaltend, zwei gehenkelte und eine henkellose Flasche aus
Thon, ein Sigillataschälchen mit Epheublättern in Relief, eine Lampe,
die Klinge des Schwertes und eine Schnalle des Balteus von Eisen.
Das Ganze befand sich in einer viereckigen Holzkiste, von der die
eisernen Eckbeschläge, die Charnierbänder des Deckels, das Mund-
blech des Schlosses und der Schlossriegel, in dem noch der Schlüssel
steckt, erhalten sind.

27. Römisches Schuhwerk.

Bekanntlich wurde in Mainz ein völliges Schuhmacherdepöt in
bedeutender Tiefe gefunden; aus diesem fournirten sich alle Museen
mit den Erzeugnissen des römischen Schusterhandwerks. Hier wur-
den erworben ein Paar Männersandalen, an denen die feinen, die
Ferse umgebenden und zwischen den Zehen auf den Rist laufenden
und hier geknüpften Riemchen noch fast ganz erhalten sind, die
Sohlen genagelt; ferner eine Frauen- und eine Kindersandale, eben-
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