Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

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falls mit genagelten Sohlen und mehrere einzelne Sohlen, deren
Nägelbesatz fast ornamental behandelt ist.

Schliesslich seien vier aus Goldblech gepresste sitzende Greife,
zwei nach rechts, zwei nach links gewendet, erwähnt, Erzeugnisse
der barbarisirten griechischen Kunst, welche in einem Grabhügel zu
Perepetowka im Gouvernement Kiew gefunden wurden. Sie sind ein
Geschenk des hochw. Herrn P. Emerich Wallner, Pfarrer zu Grafen-
wörth, dessen Bruder sie am genannten Orte im Jahre 1845 ausgrub.

Wien SACKEN

Bericht über eine Reise in Ungarn, Slavonien

und Croatien

In Nachfolgendem berichten wir über die Ergebnisse einer Reise, welche wir
im Auftrage des archäologisch-epigraphischen Seminars der Universität Wien in der
Zeit vom 22. August bis 9. September 1878 nach Ungarn, Slavonien und Croatien
unternahmen.

Unser erstes Ziel war Dalja, an der Donau etwas unterhalb der Draumündung
gelegen. Ausser den bereits bekannten zwei Inschriften ist am Orte nichts von
antiken Objecten erhalten. Nur zwei zerbrochene zusammengehörige Inschriftsteine,
die vor dem Hofthore eines Bauers in den Boden eingesetzt waren, Hessen wir, um
die Inschrift zu lesen, ausgraben. Indessen scheint eine grössere Ausbeute hier
möglich zu sein, und es dürfte die nächste Zukunft bereits zeigen, wie weit dies-
bezügliche Erwartungen berechtigt sind, da Herr Julius Weiss in Dalja, der uns
in zuvorkommender Weise zur Besichtigung der Umgebung behilflich war, der Sache
seine Aufmerksamkeit zugewandt hat. — Von der Böschung der hart an der Donau
laufenden Strasse reisst das Wasser fortwährend Stücke des Erdreichs ab, und hier
findet man zahlreiche antike Münzen. Wir hörten auch von Skeletten, die im
Strassenboden gelegen haben sollen. Für die Lage des alten Teutiburgium kann
selbstverständlich aus den vorhandenen spärlichen Indicien nichts geschlossen wer-
den; vielleicht war dieselbe eine centrale in der Mitte der Orte Dalja, Erdöd und
Almas, wo jetzt die Weinberge sich befinden. Wir sahen dort an einer Stelle, wo
die Weinhügel zur Donau abfallen und eine weite Fernsicht in die Ebenen am
linken Ufer und über die Drau hinaus gestatten, eine Reihe von terrassenförmigen
Erhebungen ziemlich gleichmässig dem Ufer entlang laufen, zwischen denen sich
jedesmal eine Einsenkung befindet, während die Terrassen selbst von etwas erhöhten
schmalen Plattformen gekrönt sind.

In Erdöd konnten wir nichts entdecken; in Almas suchten wir vergeblich
nach der Inschrift C. I. L. 3, 3270. Die alte Kirche ist abgebrannt, und hiebei oder
bei dem Neubau mag der Stein zu Grunde gegangen sein.
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