Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

Seite: 153
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In Essegg (Mursa) ist es der Munificenz eines angesehenen Bürgers, des
Herrn Franz Sedlakovich, zu danken, dass für die zahlreichen Funde der Um-
gegend nunmehr an Ort und Stelle ein Sammelpunkt geschaffen wurde. Kurze Zeit
vor unserer Ankunft hatte derselbe eine kleine Sammlung von theilweise auch
anderswoher gekauften Objecten der Stadt zum Geschenke gemacht, und die Ver-
waltung dieses neugegründeten städtischen Museums durch Herrn Professor Kodric
vom Essegger Gymnasium lässt für die Zukunft das Beste hoffen.

Eine Privatsammlung mit einem wohlgeordneten Münzeabinet lernten wir bei
Herrn Major Kr am er kennen. Die Sammlung des Herrn Ingenieurs Zucker
konnten wir wegen Abwesenheit des Eigenthümers nicht in Augenschein nehmen;
sie soll jedoch nahezu ausschliesslich aus Münzen bestehen.

Sämmtliche Provenienznotizen weisen auf die sogenannte Unterstadt, den zu
unterst an der Drau gelegenen Theil Esseggs, hin. Hier bezeichnete uns namentlich
Herr Major Kram er den Platz bei der Ziegelschlägerei zwischen dem Strome und
dem neuen Spitale als einen Hauptfundort. Aus der Oberstadt und der Festung
wurden uns keine Funde namhaft gemacht.

In Fünfkirchen (Sopianae) hat Herr Advocat Anton Horvath, der unsere
Bemühungen in der entgegenkommendsten Weise förderte, die meisten der er-
haltenen Stücke von dem Untergange dadurch zu retten gesucht, dass er ihre
Einverleibung in das Pester Nationalmuseum veranlasste. Die genannte Persönlich-
keit widmet übrigens unausgesetzt auch den am Orte verbleibenden und neu auf-
tauchenden Alterthümern eine eifrige Fürsorge.

In Fünfkirchen trennten wir uns; während Loewy sich direct nach Agram
wandte, that Kubitschek dies auf dem Umweg über Keszthely (Mogentiana) — wo
sich auf dem Schlosse des Grafen Festetics einige Stücke befinden — und Teplitz
bei Warasdin (Aqua Viva), von wo indess die neugefundenen Objecte sämtlich in
den Besitz des Museums zu Agram gelangt waren.

Agram besitzt als Hauptstadt des Landes und Sitz der südslavischen Akademie
der Wissenschaften ein bereits heute höchst beachtenswerthes Landesmuseum, in
dem die antiken Denkmäler einen hervorragenden Platz einnehmen. Das Museum,
unter den Auspicien der Akademie in's Leben gerufen und gefördert durch diese
und den Bischof von Diakovar, Dr. Strosmayr, hat unter der energischen Leitung
des Directors Professor S. Ljubic einen ausserordentlich raschen Aufschwung
genommen und sich namentlich durch Concentration der im Lande zerstreuten
Objecte bereichert. Das Fundgebiet, welches das Museum versorgt, erstreckt sich
indessen weit über die Landes- und Reichsgrenzen hinaus. Unter den Objecten
provinzialer Abkunft stammt Vieles aus Dalmatien. Am zahlreichsten ist Sissek mit
seiner überraschend mannigfaltigen Fülle von Monumenten vertreten. Nebst den
dem Museum selbst angehörigen Objecten von dort werden überdies in den Räum-
lichkeiten desselben eine Anzahl anderer aufbewahrt, welche Eigenthum eines in
Sissek bestehenden Vereines von Alterthumsfreunden sind. Dass wir bei zeitweiliger
Abwesenheit des Directors, . durch die uns leider mancher wünschenswerthe Auf-
schluss entgieng, dennoch einigermassen eingehend den Inhalt des Museums mustern
konnten, danken wir der gütigen Vermittlung des Präsidenten der Akademie, Dom-
herrn Dr. Raöki. Die Akademie der Wissenschaften, der das Museum angehörte
sorgt in ihren Berichten („Rad") für die Publicirung hauptsächlich seines epigra-
phischen Bestandes. Wir verweisen auf dieselben Bd. XXXHI, XXXIV, XXXVII
(auch separat: Ljubic, Inscriptiones, quae Zagrabiae in Museo Nationali adservantur,
Archäologisch-epitfraphische Mitth. III. 11
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