Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

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Platte, gef. in der Unterstadt, 0-148 h., 0-205 br., 0-225 d., in der Mitte
ist in grossen Buchstaben zu lesen: ^NONiCI-Bij — — — exercitus (?) Pa}nnonici,
b[— — —] publicirt von Meixner a. a. 0. p. 58.

Ziegelstempel: a) '« <■ M. b) CAE « N (Mitt, 2, 78. Meixner a. a. O. p. 58).

Lampeninschriften: a) OGIAVi (sie); b) c) d) FORTIS, b) c) in grös-
seren, d) in kleineren Buchstaben; e) C-A-S ■; /) VIBIAN; g) IECIDI; h) INARI
retrograd; i) VICT|; k) MIA; Z) m) n) o) sind nicht zu entziffern.

Terra sigillata: a) [.WA}; b) j~lVSFBf; c) PAVLIM.
Thongefäss: Faui|

Das Museum besitzt eine kleine Anzahl griechischer Vasen aus dem
griechischen Kunsthandel, durchgängig von kleinen Dimensionen, in der Form ver-
schieden. Hervorgehoben seien drei Gefässe mit Figurenschmuck: a) Lekythos
s. F. Dionysos mit zwei Satyrn; b) Lekythos, s. F. Frauen; c) Krügelchen, braun
auf blassgelbem Grunde, drei laufende Hunde.

Terracotta: Männlicher unbärtiger Kopf, die scharf geschnittenen charakte-
ristischen Züge des Gesichtes grinsend verzogen. In der Mitte senkrecht durch-
bohrt. H. u. Br. 0'05. Roth. — Von einem Gefäss.

Schmucksachen: Ringe aus Gold und Eisen; ein goldenes Ohrgehänge
mit gefasstem Smaragd (gefunden bei einem weiblichen Gerippe in der Unterstadt);
Bronzefibeln, eine vergoldet; eine fünfeckige Goldkapsel, beiderseits geschlossen,
an der Seite zwei Oesen, auf dem (abgebrochenen) oberen Schlussplättchen ein P;
an einem Golddraht aufgereihte Kugeln und Cylinder aus Glas, Thon, Knochen.

Von den (ungefähr 20) Gemmen ist ein Carneolintaglio bereits in den
Arch.-epigr. Mitth. II, S. 78 erwähnt worden. Der weisse durchsichtige Stein ist
in einen antiken Silberring gefasst und zeigt in der Mitte auf einem lehnenlosen
Stuhl, über den ein Kissen gelegt ist, thronend eine hohe männliche bärtige Ge-
stalt nach 1. gewandt, den Oberleib nackt, das r. Bein zurückgebeugt. Die 1, Hand
ist auf ein Skeptron gestützt, die vorgestreckte R. trägt eine Schale; um das Haar
ist eine Binde geschlungen. Von 1. kömmt, in der erhobenen L. einen Kranz zu
seinem Haupte führend, um die gesenkte R. die Chlamys geschlagen, eine nackte
Jünglingsgestalt (Mercur) auf den Sitzenden zu. R. von dem Stuhl steht, die L.
auf die Lanze stützend, Minerva, nach 1. gekehrt, mit korinthischem Helme und
Aegis, gekleidet in ein langes Diploidion. Ihre R. ist gesenkt. Unten deutet ein
horizontaler Strich den Boden an.

Auch ein Achat mit einem nach r. gewandten kauernden Eros, der in der
R. einen Kranz hält, verdient Erwähnung. Wir lasen auf dem Stein die Inschrift:
umv.

b) Sammlung Kramer*)

Bruchstück einer Gruppe aus weissem grobem Marmor, gefunden in
Essegg am nördlichen Ausgange der Neustadt auf freiem Feld. H. 0'55, Br. 0'62,
T. O'IO. Ein horizontaler Balken dient einer noch theilweise erhaltenen Gruppe
als Basis; die Figuren sind in flacher Rundarbeit gebildet, die Rückseite fast

*) Herr Major Kramer ist inzwischen nach Markt Tüffer übersiedelt und
hat, wie er uns brieflich mittheilt, aus diesem Anlasse seine sämmtlichen antiken
Steine und Ziegel dem städtischen Museum in Essegg überlassen.
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