Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

Seite: 165
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Zwei andere Kapitale sind nur Bruchstücke. Dasselbe gilt von einem Stück
aus grobem Marmor, das seiner Structur und seinem Ornamentschmuck (Eierstab,
Zahnschnittreihe, Palmettenleiste) nach eine Wand krönte; ein anderes von ähn-
lichem Material mag der Ecke eines Bodens angehört haben. Zwei Mosaikstücke,
in Schwarz und Weiss linear ornamentirt, befinden sich unter den Objecten des
Sisseker Alterthumsvereins. Eine Quader aus Sandstein mit dem Gesicht eines
Löwen an der Stirnseite, eine andere, aus der ein unbärtiger Kopf mit einer Hals-
kette aufragt, eine Anzahl Thonröhren, theilweise ineinander zu schieben, auch mit
Muffen versehen, seien nur summarisch aufgeführt.

An eine grosse Bleiröhre, seitwärts verlöthet, mit zwei Löchern, reiht sich
eine zweite, aus Sissek stammend, mit der Inschrift Eph. epigr. II, 847.

Steinsculpturen.

1. Statue, sogenannter Apollo*), aus weissem Marmor. H. 1*50. Aus
Salona. — Die auf einer niedrigen polygonen Basis stehende jugendliche männ-
liche Figur hat r. Standbein (ohne Ausbiegung der Hüfte), das 1. Bein ist seit-
wärts etwas vorgesetzt. Beide Oberarme gehen in geringer Entfernung vom Leibe
abwärts. Sie ist nackt; nur die obere Hälfte der Brust wird durch eine auf
der r. Schulter geknüpfte und über die 1. Schulter geworfene Chlamys bedeckt,
welche auf dem Kücken straff schräg nach 1. hinabgezogen ist. Wahrscheinlich
wurde sie hier vom 1. Arm aufgenommen, vielleicht in analoger Weise wie u. A.
bei Meleagros- oder Mercurstatuen. Das r. Bein stützt ein bis in die Mitte des
Oberschenkels reichender Tronk, an dem sich lorbeerähnliche Blätter befinden. —
Die Formen sind kräftig, das Aufstehen der Figur macht einen steifen Eindruck.
Die Schamhaare sind archaisch gekräuselt. Auf der Eückseite sind die Gewand-
falten nur flüchtig angegeben. — Am 1. Schenkel, 7 Ctm. über der Kniekehle, ist
an der Aussenseite eine rundliche vertiefte Ansatzspur (? Durchm. 4 Ctm.), ebenso
am r. Schenkel 4 Ctm. unter dem Hüftenwulst eine solche von viereckiger Gestalt
(3 Ctm. breit) sichtbar. — Ergänzt sind: ein Stück des r. Knies, das Gelenk und
die Sohle des 1. Fusses. Der r. Arm von etwas unter dem Ellbogen, der 1. vom
Ellbogen ab, ein Stück der Brust und des Gewandes über der 1. Flanke und ein
Theil des Gliedes fehlen. Brüche befinden sich in der Mitte des r. Oberarms, des
r. Oberschenkels, am 1. Knie und quer durch den Rumpf. Die Falten der Chlamys
sind Verstössen und zeigen deutliche Reste kirschrother Bemalung. — Der Kopf
war abgebrochen und soll erst nach der Aufstellung im Agramer Museum aufgesetzt
worden sein. Er misst: H. 0 29, Br. 0-18, Gesichtslänge 0'165. Die Nase und die
1. Braue sind abgestossen. Es ist ein ideales anmuthiges Antlitz von sinnendem
Ausdruck mit etwas geöffnetem Munde. Kinn und Wangen sind voll. Das in der
Mitte gescheitelte Haar ist an den beiden Seiten in gerippten Partien wellig über
ein um das Haupt gehendes schräggestreiftes Band zurückgestrichen und über dem
Nacken in einen Knoten geflochten**).

*) Erwähnt: Conze, Rom. Bildw. einh. Fundorts II, S. 3.
**) Die Zugehörigkeit zu der Figur scheint mir, trotzdem der Marmor ein
ähnlicher und der uns angegebene Fundort derselbe ist, zweifelhaft zu sein. Ich
würde in demselben nicht einen der mann-weiblichen Apollotypen, sondern einen
weiblichen Kopf zu erkennen glauben. An jenen der knidischen Venus erinnert
Einiges in der Gesichtsbildung und das Haar. Auch schienen Kopf und Hals der r.
Schulter zu nahe zu sitzen, was allerdings auf der Photographie (von J. Standl
in Agram) nicht so sehr hervortritt.
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