Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

Seite: 168
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26. Brachstück eines Hochreliefs aus grobem Marmor. H. O80, Br. 058,
D. 0"21, gef. in Teplitz bei Warasdin: Untere Hälfte einer weiblichen Figur
(Nymphe?), deren herabgelassenes Gewand vorn am Schosse geknüpft ist und in
der Mitte in einem Saume herabfällt. Die Beine sind aneinander geschlossen, die
Füsse tragen Sandalen. Der Grand des Reliefs ist schwach gewölbt. Erhalten ist
nur der r. verticale Rand, auf dem sich ein Blattornament befindet.

27. Fragment von der linken oberen Ecke einer Sarkophagplatte aus
Sandstein. L. 0-50, Br. 0-56. Geflügelter Knabe mit Halskette und Oberarmring,
den r. Arm an's Hinterhaupt gelegt, mit der L. eine ihm von der 1. Schulter herab-
hängende Guirlande fassend. L. Pilaster mit Akanthoskapitäl.

28. Sandsteinrelief. H. 0-35, Br. 0-27, T. 0 09. In der Tiefe eines viereckigen
Rahmens steht en face mit aneinander geschlossenen Beinen, ein wenig zusammen-
gekauert, Priapus, unbärtig, von runden, dicken, sich dem Weiblichen nähernden
Körperformen, nackt, mit beiden Händen ein schmales Gewandstück aufhebend,
unter dem der Phallus aufrecht steht. — Vgl. Arch.-epigr. Mitth. I, S. 88, 93.

29. Bruchstück einer dünnen Marmorleiste. L. 0'27, Br. 0"27. Nur ein
schmales Feld zwischen breiten mehrfach gekehlten Streifen zeigt übereinander
geordnet Figuren in flachem Relief; der Boden, auf welchem diese stehen, ist
durch gekrümmte Streifen angedeutet. Erhalten sind: die beschuhten Beine eines
Hirten, durch den Rest eines r. daneben befindlichen Lagobolons erkennbar; ein
lagernder Hund, den Kopf in die Höhe gewandt; ein weidender Widder.

30. Sarkophag aus Sandstein, mit Deckel aus sehr porösem Kalkstein (kaum
zugehörig). L. 1'43, Br. 0-77, H. 0-54 (Deckel: L. 1-62, Br. 0-77, H. 0"32). In der
Mitte der Vorderseite ein oblonges Feld mit der Inschrift M ■ AVR.EL - QLABRIO etc.
Zu beiden Seiten der Inschrift in seichten Nischen Figuren von sehr gedrückten
Proportionen: 1. Weib doppelt bekleidet, in der L. eine Rolle (?), die R. mit dem
Redegestus; r. Mann mit kurzer gegürteter Tunica und Mantel, in der L. Rolle,
die R. macht den Redegestus. Die Reliefs der Schmalseiten stellen jederseits zwei
en face nebeneinander stehende nackte Knaben dar. Auf der einen Seite A) fassen
dieselben mit beiden Händen einen kranzartigen Gegenstand, in dessen Mitte ein
Loch bis in das Innere des Sarkophages geht. Auf der anderen Seite B) stemmen sie
sich mit grosser Kraftanstrengung von einander weg nach r., respective 1. Um ihre
Schultern geht ein Seil, dessen Ende sie mit der einen Hand fassen, während die
beiden inneren Arme gegeneinander gestreckt sind, in ihren Contouren ineinander
übergehend, so dass die beiden Figuren dieselbe Gruppe geben, wie die Deckel-
figuren der italischen Cisten. — Am oberen Rande beider Seitenflächen in der Mitte
befindet sich eine quadratförmige Vertiefung für den Verschlusszapfen.

31. Sogenannter thrakischer Heros, Basrelief aus Sandstein. H. 0'25.
Br. 0'20, T. 0-02. R. oben und 1. unten beschädigt. Die Platte ist unten eckig,
oben gerundet und hat rings einen vorspringenden Rand, der die Darstellung ein-
rahmt. — Die jugendliche männliche Gestalt mit phrygischer Mütze und zurück-
flatterndem Mantel galoppirt auf einem Pferde nach r., dessen Zügel sie mit der
R. straff anzieht. Die R. scheint einen kurzen, breiten, oben spitz zulaufenden
Gegenstand (Messer?) zu halten. Unter den Vorderhufen des Pferdes steht auf-
recht ein niedriger Pfeiler oder eine Stele. L. von dieser unter dem Bauche des
Pferdes drei roh gezeichnete schwer erkennbare Thiere nach r. gewandt, das eine
mit aufrecht stehendem Horn; dieselben verjüngen sich in ihren Dimensionen von
r. nach 1. — Vgl. Henzen, Bullettino della Comm. Arch. Municip. 1876 (IV) p. 63 f.
Taff. V—VIII. Dumont, Inscript, et monum. dt la Thrace, Nr. 24, 32, 39 und p. 71.
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