Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

Seite: 169
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1879/0179
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
169

32. Mithrasrelief von oblonger Gestalt, aus Sandstein. L. 0'51, H. 0-32,
D. 0*025, in mehrere Stücke zerschlagen; zwei Stücke fehlten. — In der Mitte eine
kreisförmige Darstellung des Thierkreises; der äussere Contur dieses Kreisstreifens
berührt den oberen und unteren Eand des Reliefs. Von den Figuren waren sichtbar:

Jungfrau, Wage, Scorpion ... Fische, Widder, Stier.....In dem Rand innerhalb

des Thierkreises ist die Stiertödtung dargestellt: Mithras mit Mütze, kurzem Aermel-
gewand und flatterndem Mantel, kniet zurückgewandten Gesichtes auf dem Thier,
dessen Kopf mit der L. in die Höhe reissend. Die r. Hand mit dem Messer fehlt.
Nebst einem Theile des Kopfes ist vom Stiere nur das r. Hinterbein erhalten, auf
welches der Gott mit dem r. Fusse tritt. Von den Thieren unterhalb des Stieres
scheint nur der Scorpion erkennbar zu sein. R. und 1. die beiden Knabengestalten
mit gesenkter und gehobener Fackel.

Zu den beiden Seiten finden sich, in kleineren Dimensionen ausgeführt, jeder-
seits drei Darstellungen, die ohne trennende Gliederung eine über der anderen
angebracht sind. Es sind dies, von unten nach oben:

Links:

1. Die Gestalt mit phrygischer Mütze hat sich auf den nach r. gewandten Stier
geschwungen, ihn mit der R. bei den Nüstern, mit der L. beim 1. Hörne fas-
send; ihr Kopf sowie der des Stieres en face.

2. Dieselbe trägt den Stier auf dem Rücken nach r. — Hier ist die Bodenlinie
angegeben.

3. Brustbild des Sol nach 1., nicht mehr ganz deutlich.

Rechts:

1. Gelagerter bärtiger Flussgott mit langem Haar und entblösstem Oberleib nach 1.
Die erhobene R. hält einen abgebrochenen Gegenstand.

2. Brustbild des Mithras en face, aus Felsen hervoi'ragend, mit phrygischer Mütze,
in der R. das Messer, in der L. die Fackel.

3. Brustbild der Luna, von der Mondsichel umgeben, nach r. Darunter ein breiter
gekrümmter Streifen (Wolke?).

(S. V.)

33. Mithrasrelief aus weissem Marmor. Dasselbe ist in mehrere Stücke
zerbrochen, von denen sich einige zu dem unteren Theile zusammenfügen lassen
(H. 0-26, Br. 0-28); ein Stück gibt die Mitte des obersten Theiles (H. 0'09). Das
Ganze hatte oben bogenförmigen Abschluss. Die Mitte ist von einem breiten Rande
in der Form eines Blättergeflechts kreisförmig eingerahmt; die in diesem Kreise
dargestellte Hauptscene ist von durchbrochener Arbeit. Mithras kniet mit vor-
geneigtem Oberleib auf dem Stier, mit der L. seine Nüstern packend, ohne jedoch
den Kopf mit in die Höhe zu zwingen, in der vorgestreckten R. das keilförmige
Messer haltend; dieses der gewöhnlichen Darstellung entsprechend. Am Gurte des
kurzen bis über die Hüften reichenden Aermelrocks hängt die Messerscheide, der
Mantel, über der Brust sich faltend, flattert zurück. Der Kopf fehlt. Am Halse
des Thieres sind noch Ansätze sichtbar, vielleicht den Klauen des hier meist an-
gebrachten aufspringenden Hundes angehörig. Darunter dürfte noch ein Theil des
Schlangenleibs wahrzunehmen sein.

Unter diesem Mittelbild sind in flachem Relief fünf Scenen horizontal neben-
einander angebracht, wovon die vier ersten — von 1. gerechnet — in eingerahmten,
oben bogenförmig abschliessenden Feldern sich befinden, die die Form des Ganzen
wiederholen. Gegenstände und Ausführung dieser in kleinen Dimensionen aus-
Archäologisch-epigrapliische Mittb. III. 12
loading ...