Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

Seite: 170
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geführten Scenen erinnern an die sonst bekannten Mithraeen dacischen Fundorts.
(Vgl. Lajard, Memoire sur deux basreliefs Mithriaques). In ihnen allen erscheint
die männliche Gestalt mit der phrygischen Mütze.
Wir gehen von 1. nach r.:

1. Die Gestalt eilt, mit kurzem Rock und flatterndem Mantel bekleidet, auf eine
kleine, vor ihr demüthig zusammengekauert sitzende nackte männliche Figur
zu, welche das Haupt zu ihr aufwendet, und legt die L. auf deren Kopf, wäh-
rend sie mit der R. einen länglichen geschweiften, wie ein Schlauch aussehenden
Gegenstand, dessen unteres Ende wie ein Heim auf dem Kopfe der kauernden
Figur aufsitzt, hält (dieser auf den Kopf drückt?).

2. Sie schleppt den Stier auf dem Rücken nach r.

3. Sie reitet auf dem Stier, der in undeutlicher, an ein Pferd erinnernder Form
gebildet ist, nach r., mit der R. das Horn packend.

4. Sie sitzt auf einem Lager mit einer r. befindlichen kleineren, anscheinend weib-
lichen Gestalt mit runder Kopfbedeckung, beide in der Geberde von Speisenden.

5. Sie ist im Begriff, auf einen Wagen, vor den zwei aufwärts gewandte Pferde
gespannt sind, aufzuspringen, unterstützt von einer auf dem Wagen stehenden
nackten Mannesgestalt mit einem Hut, die helfend die r. Hand des Aufspringen-
den fasst, mit der Linken die Zügel hält. R. über dem Gespann erhebt sich
aus einer durch einen schmalen Horizontalstreifen angedeuteten Masse mit
Kopf und Brust ein Mann, der die R. in die Höhe streckt (Felsgeburt?), Sein
Haupt umgibt ein Contur wie von reichem Lockenhaar.

In dem Zwickel über dem ersten Felde lagert nach r. ein Stier; über der
zuletzt beschriebenen Scene wird durch einen horizontalen Streifen ein oberes Feld
begrenzt, welches eine mit entblösstem Oberleib lagernde, anscheinend weibliche
Figur ausfüllt.

Von dem obersten Theil des Reliefs hat sich nur ein gekrümmter Streifen
erhalten. In der Mitte desselben sind sieben dicht nebeneinander stehende Altäre
sichtbar. Hinter diesen stehen aufrecht en face nebeneinander drei Götterfiguren:
1. Mercur, nackt, mit dem runden Petasos, in der L. den Caduceus, in der gesenkten
R. den Beutel; in der Mitte Jupiter mit entblösstem Oberleib, in der L. den lang-
geformten Donnerkeil (?) haltend, die R. mit einem undeutlichen Gegenstand über
einen viereckigen Stein oder Altar senkend, der sich über der Fuge des zweiten
und dritten der erstgenannten Altäre erhebt. R. von ihm steht Mars mit Helm und
kurzem Rock oder Panzer, mit der erhobenen R. die Lanze haltend, die gesenkte
L. auf den Rand des Schildes stützend. — L. von den Altären kniet vor einem
Baumstamm am Boden eine knabenhafte Gestalt mit phrygischer Mütze und flattern-
dem Mantel, den r. Ami in betender Geberde gegen das Angesicht hebend. Ueber
ihm liegt auf einem bogenförmigen Streifen ein Thier (Bär?) nach r. — R. von
den Altären erhebt sich mit dem Oberleib aus Felsgestein eine Gestalt in grösseren
Dimensionen, mit phrygischer Mütze, in lebhafter Bewegung beide Arme erhebend.
Die R. trägt einen länglichen Schaft mit Querkerben (Fackel), die L. wohl ein
Messer. (Mithras' Felsgeburt.) R. davon zeigt sich noch der zur Seite geneigte
Kopf eines nach 1. eilenden Mannes en face mit langem Haar, der die R. vor sich
streckt.

Gegenstände aus Bronze.

1. Statuette eines Mercur (H. O'll), stehend, nackt, den geflügelten Petasos
auf dem Kopf, in der gesenkten R. den Beutel haltend. Das r. Bein vom Knie
ab, der ganze 1. Arm fehlen. Aus Essegg.
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