Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

Seite: 171
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2. Mercur (H. 0'065, mit dem araförmigen antiken Postament 0*085), schrei-
tend, nackt bis auf die auf der 1. Schulter lose aufliegende und um den 1. Unter-
arm geschlungene Chlamys. Auf dem Haupte ein runder geflügelter Petasos. Die
R. hält den Beutel, die L. schultert den Caduceus. — Fast unverletzt.

3. Victoria (H. circa 0-09) mit erhobenen Fittigen vorwärts eilend und
schwebend, das 1. Bein vorsetzend, hebt über den Kopf die beiden Hände, mit
denen sie vermuthlich einen Schild hielt. Das zurückflatternde Gewand bedeckt im
Ueberfall die Brust. Das Haar ist über dem Scheitel in einen Knoten gebunden.
Die Füsse fehlen.

4. Bärtiger Pan (H. 0*07), in der gesenkten R. eine brennende Fackel, die
weggestreckte L. erhoben. Das Haar ist vom in der Mitte in einen Schopf ver-
einigt, über dem Nacken krobylosartig eingelegt.

5. Attis (H. 0'055) mit phrygischer Mütze und den Bauch freilassendem
ungegürtetem Gewände, schultert in der L. ein gewundenes Füllhorn, die R. legt
er auf den Kopf. Die Figur lehnt an einem viereckigen, hinten nischenförmig aus-
gehöhlten Pfeiler*).

6. Votivhand (L. 0"09, Br. 0'04): eine rechte Hand mit eingebogenem
Ring- und kleinen Finger, die übrigen ausgestreckt; sie ist von einer Schlange
umwunden, die mit dem Schwanzende in der Gelenkgegend auf dem Handrücken
aufliegt, sich nach 1. um die Innenfläche zur Wurzel des Zeigefingers aussen schlingt,
den sie einmal umringelt, um an seiner Spitze in den Kopf mit geöffnetem Rachen
(und Kamm?) auszugehen.

7. Täfeichen von oblonger Gestalt (L. 0-095, Br. 0*075), mit Figuren in
Relief, aus Sissek. Beschädigt. — Die Reliefs sind eingerahmt an den beiden Ver-
ticalrändern durch Säulen mit Basis und Akanthuskapitäl, oben durch einen über
die Säulen gespannten Bogen, dessen Saum ein Eierstabornament füllt. Die Zwickel,
welche r. und 1. durch den Bogen und den Rand der Tafel gebildet werden, nimmt
jederseits eine sich gegen die Höhe des Bogens windende Schlange ein. — Den
halbkreisförmigen Raum unter dem Bogen füllt Sol auf seinem Wagen, von vorn
gesehen. Den Wagen zieht ein Viergespann, je ein Paar nach r. und 1. ausgreifend,
die inneren Pferde sich die Köpfe zuwendend. Sol steht auf dem Wagen, das
Haupt von Strahlen umgeben, mit Aermelgewand und zurückflatterndem Mantel
bekleidet; er hält in der wagrecht weggestreckten L. die Kugel, die R. mit ge-
öffneter Innenfläche ist erhoben. (Vgl. Dilthey, Arch.-epigr. Mitth: II, S. 62, Anm. 38.)
Ueber jedem Rossepaar befindet sich ein Stern. — Unter dieser Darstellung be-
finden sich übereinander ohne scheidende Linien drei Reihen von Figuren. In der
obersten steht in der Mitte in Vorderansicht ein bis auf die Hüften nacktes weib-
liches Idol; das Gesicht ist von Locken umrahmt, die Arme hängen an den Seiten
hinunter. Auf dasselbe zu kömmt von r. und 1. je ein Reiter von anscheinend
knabenhafter Bildung (Dioskuren, Castores) mit vorgestreckter R. Jener r. trägt
eine flatternde Chlamys; r. neben ihm steht, zur Mitte gewandt, eine bekleidete
Gestalt, welche wie winkend die R. zum Kopfe hebt. L. neben dem links befind-
lichen Reiter ist die Tafel beschädigt. Unter jedem Pferde auf dem Boden in wag-
rechter Lage nach der Mitte gewandt eine ausgestreckte längliche Gestalt (eine
menschliche? vgl. Arch. Ztg. 1854, Taf. 65, 3 = Mon. dell' Inst. IV, 38, 1). Die

*) Dasselbe Motiv, mit verschiedenen Variationen, kehrt an einer Anzahl von
Bronzen wieder, die uns zum Theil unecht erschienen sind.

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