Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 3.1879

Seite: 172
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mittlere Reihe besteht aus drei Gruppen von je zwei Personen. Die Mittelgruppe
zeigt zwei bekleidete (weibliche?) Gestalten, die einander zugekehrt sind und, sich
etwas vorbeugend, die Hände auf einen zwischen ihnen befindlichen, über ihr Knie
hinaufreichenden Gegenstand legen. Die Zeichnung desselben besteht aus einigen
concentrischen elliptischen Ringen; an die untere Hälfte der äusseren Peripherie
setzt in geringer Distanz eine Menge von Verticalstrichen an. (Ein grosses Auge
en face?) Zwischen den Köpfen der beiden Gestalten ist die Tafel zufällig durch-
löchert. Eine weitere Beschädigung hat die Gruppe zur R. betroffen, in der nur
mehr zum Theile zwei in gleicher Haltung nebeneinander auf r. Standbein auf-
rixhende unbekleidete männliche Gestalten wahrzunehmen sind, die zur Mitte blicken.
Die Gruppe zur L. ist gleichfalls zur Mitte gekehrt. L. neben einem Baume steht
ein bekleideter Mann nebst einem nackten Knaben, welch' letzterer ein Thier (?
Hase?) an den Baum zu hängen oder von ihm zu nehmen scheint. In der unter-
sten Reihe endlich, deren Höhe geringer ist, nimmt die Mitte eine geriefelte Am-
phora ein, 1. bewacht von einem lagernden Löwen mit erhobenem Schweife, r. von
einer Schlange; beide Thiere zur Mitte gewandt. L. von dem Löwen steht ein drei-
beiniger Tisch mit einem darüber befindlichen undeutlichen Gegenstand, r. von der
Schlange steht ein Hahn, wie diese zur Mitte gekehrt.

8. Galvanoplastischer Abguss eines im Gymnashxm zu Vinkovci
(Slavonien) befindlichen Täfelchens*) von viereckiger Gestalt (H. und Br. circa
0-07). Die Anordnung der Figuren ist analog, aber einfacher wie bei Nr. 7. Wir
unterscheiden drei Reihen. Oben in der Mitte eine Amphora, auf welche von r.
und 1. sich eine Schlange zuringelt; am Rande 1. Brustbild der Luna in der Mondes-
sichel, das Brustbild r. daher Sol. — In der mittleren Reihe steht in der Mitte
en face eine mit langem Diploidion bekleidete weibliche Figur (Idol) mit wagrecht
zur Seite gestreckten Armen auf einem T förmigen Postament; von r. und 1. kömmt
auf sie ein Reiter zu (Castores); jener r. mit konischer Mütze und Mantel be-
kleidet, die Hand rückwärts gehoben (?), jener 1. unbekleidet, die r. Hand auf den
Rücken des Pferdes legend. Hinter dem Reiter r. eine undeutliche Gestalt (viel-
leicht hebt sie den Arm, wie analog im vorigen Täfelchen). Unter den Pferden
jederseits dem Postament in der Mitte zugewandt eine wagrecht liegende Gestalt
(vgl. Nr. 7). — Ganz unten befindet sich in der Mitte eine nackte Gestalt, auf ein
Knie sich niederlassend und mit einem undeutlichen vor ihr befindlichen Objecte
(Baum?) beschäftigt. R. hinter ihr eine Amphora, über welcher drei Kugeln sicht-
bar sind, dann ein Krebs (?). L. ein Candelaber (?) und ein dreibeiniger Tisch.

9. Helm (H. 0"24, unterer Durchm. 0'19) von schlank - kupp eiförmiger Ge-
stalt. Am unteren Saume in Relief drei schön gearbeitete Figuren: a) (undeutlich:
Victoria?) nach 1. gewandt, ein Attribut (Palmzweig?) schulternd und die R. zum
Gesicht hebend (?); b) und c) en face, männlich: 6) unbekleidet, auf 1. Standbein
ruhend, die L. erhoben, die R. gesenkt (Juppiter); c) gleichfalls auf 1. Standbein,
behelmt, die Chlamys auf der r. Schulter geknüpft, in der erhobenen R. die Lanze,
die gesenkte L. auf den Schildrand aufstützend (Mars).

Thonlampen.

1. Blassgelber Thon: Frauen beim Bade. Die eine, nackt, nur mit einer
kegelförmigen Mütze bekleidet, giesst aus einer Art Hydria Wasser in das auf
hohem, sich nach oben verjüngendem cannelirtem Postament ruhende Becken, an

*) Dasselbe scheint jetzt im Original in das Agramer Museum gelangt zu
sein, s. oben p 123. O. B.
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