Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

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stattet worden dass das plinianische cui pauca comparantur auf ihn
Anwendung finden konnte. Der Zeit nach, es ist hier Ol. 114, 2
gegeben, kann auch ein Kephisodot der Meister desselben gewesen
sein und zwar der jüngere welcher auch in Theben eine gleiche
Aufgabe im Verein mit seinem Bruder glücklich gelöst hatte3S) und
was die Wahrscheinlichkeit hier noch um ein Bedeutendes erhöht,
auch die Statuen des Freundes und der Schützlinge des Demosthenes
des Lykurg und seiner Söhne schuf.

Es ist nicht wahrscheinlich dass mit dieser Generation das
praxitelische Familienatelier geendet habe. Bis in die römische Zeit
hinein finden sich seine Spuren. Seine Bedeutung sank mit der
sinkenden Kunst.

Von kaum geringerer Bedeutung als das Künstlergeschlecht
der Praxiteles ist das gleichfalls parische aus dem im vierten Jahr-
hundert der Bildhauer Skopas hervorblüht. Mehr als zwei Jahr-
hunderte nach ihm begegnet uns ein Künstler Aristandros der Sohn
eines Skopas aus Paros. Auf Grund dieser Nachricht den ein
Menschenalter vor Skopas im Peloponnes mit Polyklet und seiner
Schule zusammenarbeitenden Aristandros aus Paros für den Vater
des berühmten Pariers Skopas zu halten lag um so näher, als auch
dessen grosse Arbeiten im Peloponnes die zugleich auch seine
frühesten sein mussten, eine einfache Erklärung fanden. Nun spre-
chen aber auch ganz bestimmte Anzeichen für das Vorhandensein
eines Skopas im fünften Jahrhundert. Winkelmann schon war
geneigt seine Existenz anzuerkennen, und Brunn hat mit Fug die
Frage offen gehalten. Er ist erst von dem Biographen des Skopas
Urlichs aus der Reihe der griechischen Künstler ausgestrichen
worden. Und doch steht bei Plinius 34, 49 ganz trocken LXXXX
(Olympiade): rursus ßoruere Polyclitus Phradmon Myron Pythagorus
Scopas PereUus™). Der Rivale des Praxiteles kann selbstverständ-
lich hier nicht gemeint sein, es darf aber nicht gestattet werden
dieses Zeugniss zu verwerfen und doch zugleich das niemals über-

3S) Paus. IX 12, 4. Kayser Eh. M. V. 347 und nach ihm Overbeck Schrift-
quellen 1336 bevorzugen hier die schlechte Variante Kdbuoq.

3n) Für Perellus ist wohl Periclitus zu lesen. Der ganze Katalog der diese
Stelle enthält ist bekanntlich immer wieder seitens der Forscher über griechische
Künstlergeschichte mit Anklagen überhäuft worden. Es kann meine Aufgabe hier
nicht sein auf die anderen strittigen Punkte einzugehen, doch hoffe ich in der Fort-
setzung dieser Untersuchungen die Grundlosigkeit dieser Anklagen darlegen zu
können.
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