Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

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Angabe des Pfarrers von einem in der Erde gefundenen Sarkophag
aus Ziegelplatten; verschiedene gedrehte Bruchstücke aus feinstem
weissem Marmor, 0'06 u. 0*13 h., vielleicht von einem Candelaber;
vierseitige Marmorbasis, 0*14 h., 0*09 br. (Fragment, oben rund, von
da bis zur Fussplatte allseits gleicher Faltenwurf, doch kaum von
einer Gewandstatuette); Bronzefibel; Kupfermünze des K. Philippus
Arabs. — An der Thüre des Pfarrhauses sind aussen wie innen
mehrere Reliefbruchstücke aus Marmor eingemauert, Weinlaub mit
Trauben und Vögeln darstellend, roh gearbeitet, mit stehen geblie-
benen Bohrlöchern. — An der Hofmauer aussen neben dem Thore
grösseres, wahrscheinlich mit den vorigen zusammengehöriges Frag-
ment, 0*53 h., 0'35 br.; neben einem mächtigen krummen Weinstock
bläst eine weibliche Figur in langem Gewände mit emporgeworfenem
Haupt die Doppelflöte. Alle im Pfarrhause befindlichen Reste sind
nach Schern, p. 93 ss. und mündlicher Mittheilung an Ort und Stelle
gefunden. Das Relief, welches nach Schern, p. 95: ^Adamum et
Evam in paradiso fructus prohibitos ex arbore carpentes" zeigte, ist
vielleicht ein verlorenes Fragment der obigen bacchischen Dar
Stellung.

2. Der eigentliche Fund- und Ruinenplatz erstreckt sich vom
Fusse des Quellhügels, auf dem das Pfarrhaus steht, nach Osten
bis zu einem Crkvine genannten Felde. Hier finden sich tief unter
der Erde zahlreiche Grundmauern, darunter die eines grösseren Ge-
bäudes, das man für eine Kirche hielt*). Aus der Apsis desselben
(in capella circulari majoris altaris ecclesiae, Schern, p. 93) stammt ein
römischer Grabstein, Marmor. 0*89 h., 0 68 br. u. d., oben stark
verstümmelt, mit Sculpturen an allen vier Seiten. Vorn (über der
völlig unleserlichen Inschrift): die Büste des Verstorbenen in Tunica
und Toga. Auf der rechten Nebenseite: Andromeda nach vorn ge-
wendet und ganz nackt in epheubewachsener Grotte, die Hände mit
Ketten an die zusammengeschlossenen Füsse gefesselt (Kopf und
Brust der Figur nur mehr in Umrissen kenntlich), 1. unter ihr Hals
und Kopf eines emporschauenden Thieres mit aufgerichteten Spitz-
ohren ibelua ponto eminet: Ov. Met. IV 688 s.). Auf der linken Neben-
seite: Perseus nach vorn, ganz nackt, in einer Grotte, er hält in
der L. die Harpe, in der R. wahrscheinlich das Medusenhaupt (man

*) Römisch ist möglicherweise sowohl diese Ruine, als auch die des vor-
geblichen Klosters, welche, einst theilweise aufgedeckt, angustaa offert cellulas solido
muro intersectas circumcingente eas angusto transitu lapidibus laboratis strato: Schern,
p. 95.

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