Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

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1. Vitina (2 Km. vom linken Ufer, am Fusse des nach Lju-
buski streichenden Höhenzuges). Am Herrenhause des Suleiman Beg
Kapetanovic rechts vom Eingang sind übereinander die beiden In-
schriften C. L L. III 6365 und 6368 eingemauert. Erstere, Marmor,
0-40 h., 0-33 br. (Buchstabenh. Z. 1: 0*045, Z. 2: 0'03, Z. 3: 0-25.
Z. 4: 0-0225, Z. 5—9: 0-02), von Blau (III. Bericht S. 627) 1870,
wo sie sich sicher schon an obenerwähnter Stelle befand, dem Fund-
orte Kutac zugeschrieben*), lautet:

M*PLA « P *

MlLES«CHOTlS

VII I * VOL
7ARTANI es MARCE
5) L * LI • NONI « VALENf S

1 * EASDEM<t>NONIO <*
VAi.ENTI • B EN EME
RENTI « TITVLVM « POSv
ANNORVM«XXX«ST«VIII

M. Plae(torius) P(rimus?) miles cho(r)tis VIII vol(untariorum)
centuria Artani Marcelli. Noni Valentis centuriae easdem (= eiusdem).
Nonio Volenti benemerenti tituhim pos(uit) annorum XXX sti(pendiorum)
VIII. Abgesehen von der barbarischen Form easdem, verräth die
ganze Fassung der Inschrift einen des Lateinischen kaum mächtigen
Concipienten. Man wird in v. 5 dem Sinne nach commilito Noni
Valentis zu verstehen haben; auf letzteren bezieht sich natürlich
auch die gegen den epigraphischen Gebrauch an den Schluss ge-
setzte Angabe der Lebens- und Dienstjahre. Die Lesung der In-
schrift ist ganz sicher.

Die zweite Inschrift, Marmor, 0*34 h., 0*30 br., in oben nischen-
förmig zugerundeten Rahmen (unten abgebrochen), sowie grösseren
und schöneren Buchstaben entspricht ganz dem Abdruck im C. I. L. III,
6368, nur fehlt die untere Hälfte der letzten Zeile. Die Ruinen-
stätte von Vitina liegt am Fusse des katholischen Friedhofs. Dort
liess vor Jahren Muhammed Beg Kapetanovic eine Ausgrabung
vornehmen und fand nach verlässlichen mündlichen Mittheilungen
*etwa klaftertief eine Ruine mit Mosaikfussboden, deren Anlage mir
von geistlicher Seite als ein Bad, von türkischer als Kaufhalle mit

*) „Han" Kutac, wie Blau schreibt, existirt nicht, auch liegt Kutac nicht
3/4 Stunden von Ljubuski nach Mostar zu, sondern 3 Km. westlich von Ljubuski.
Ich fand dort nur einige altslavische Denkmäler.
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