Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

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an der Strasse unweit davon gefunden. Die Krönung der Platte
ist bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, letztere in drei Felder ge-
theilt: 1. Giebeldach, innen Widderkopf, aussen Delphine nach ab-
wärts; 2. Brustbild des Verstorbenen in der Toga und, wie es
scheint, mit einem Kranz (oder Kappe?) zwischen korinthischen
Säulchen; 3. Inschriftfeld, vollkommen verwittert, zwischen quer-
gestreiften (wie es scheint, nicht spiralförmig canellirten) korinthi-
schen Säulchen. Durch den Verwitterungsprocess ist der Stein
stellenweise ganz durchlöchert. — Eine Abbildung desselben, die ich
nicht kenne, brachte nach der Zeichnung eines Unterofficiers im
Mai d. J. die Prager illustrirte Zeitung Svetozor.

2. Blazuj, in gerader Richtung ca. 9 Km. von Pazaric, 13 Km.
vom Westende Sarajevo's, am Westrand der fruchtbaren Ebene
Sarajevsko-polje, unweit der Strassengabelung nach Brood undMostar,
Fundort eines von Evans beschriebenen und abgebildeten römischen
Grabsteins*). Ich fand dort hart an der Strasse, r., ca. 5 Minuten
vor dem Han, unter mehreren antiken behauenen Steinen eines
gegenwärtig zerstörten Brunnens, einen mit Sculptur, 0*44 h., 0'52 1.,
O'oO d., unten abgebrochen, oben ein Zapfenloch. Dieselbe zeigt
in viereckigen Rahmen den Obertheil einer weiblichen Figur (Bac-
chantin) nach r. gewendet, nackt bis auf das um die Brust geworfene
Thierfell, den Thyrsos an den 1. Arm gelehnt, den r. nach abwärts
ausgestreckt (die Hand fehlt), das Haupt (mit rückwärts aufgekno-
tetem Haar) emporgeworfen. Gute Arbeit.

3. Bosnabrücke, 3 Km. von Blazuj nach Sarajevo zu.
15. Kalksteinplatte des linken Brückengeländers, 074 h., 058 br.,
0*25 d., aussen: ein nackter Flügelknabe steht mit übergeschlagenem
r. Bein auf einer dreigiiederigen Basis und stützt sich mit dem r.
Ellbogen auf die zur Erde gekehrte, von der L. gehaltene Fackel,
das mit einer phrygischen Mütze bedeckte Haupt an die R. gelehnt.
Rohe Arbeit.

4. Aus Svrakino-selo, 6 Km. von der Bosnabrücke, 5 Km.
vom Westrande Sarajevo's, am linken Ufer der Miljacka gelegen,
u. zw. vom Hause eines gewissen Zlatarovic stammt der jetzt im
Garten des französischen Consulates befindliche Inschriftstein (Mar-
morara) C. I. L. III 2766 a, 074 h., 0-35 br., 0 26 d. (Buchstaben-
höhe Z. 1 : 0-055, Z. 2—4: 0'035, Z. 5: 0:025):

*) Through Bosnia and the Hercegovina, London 1876 p. 237: Ein Flügel-
knabe steht mit^übergeschlagenem r. Bein und umgekehrter Fackel auf einem ko-
rinthischen Kapital.
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