Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

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besitzes verpflichtete, hat seine unfreiwillige Müsse seit lange und
mit steigendem Interesse auf die Erforschung der alten Stadt und
der Umgegend von Ossero gewandt. Leider hat es ihm dabei an
der nöthigen Unterstützung eines Architekten oder Ingenieurs ge-
fehlt, und die Ausgrabungen sind immer nur gelegentlich, mit wenigen
Arbeitern und ziemlich planlos vorgenommen worden. Er hat eine
sehr grosse Zahl von Gräbern und stückweise den Lauf der alten
Stadtmauer aufgedeckt, indessen ohne irgend eine Aufnahme zu
ermöglichen; und die Stadtmauer, deren genaue Untersuchung bei
dem Fehlen aller historischen Nächrichten über Apsorus besonders
nützlich gewesen wäre, ist grösstentheils wieder verschüttet worden.
Die Theile, die ich davon noch sehen konnte, waren von sehr solider
Construction, grosse regelmässig behauene Kalksteinquadern mit
guter Fugung ohne Mörtel, die Mauer einige Meter stark. Ich hatte
den Eindruck, dass diese Befestigung sehr wohl aus republikanischer,
vielleicht sogar noch aus vorrömischer Zeit herrühren könne.

Jenseits der Mauern nach Norden und Osten auf Cherso und
namentlich zahlreich auf Ossero in unmittelbarer Nähe der Cavanella
sind ausgedehnte Gräberanlagen constatirt worden. Nach den Be-
schreibungen, die ich erhielt, müssen Gräber von sehr verschiedener
Construction nahe bei einander vorgekommen sein, in der Regel mit
verbrannten Leichnamen. Unverbrannte Leichen fand man entweder
unmittelbar bestattet in der Erde, auf eine Schicht von Kieselsteinen
gebettet (soprä un letto di ghiaia) oder in gewöhnlichen Cementsar-
kophagen oder in solchen, die aus Terracottaplatten zusammengebaut
waren. Asche war beigesetzt in kleinen Gehäusen von dreiseitigem,
quadratem oder rautenförmigem Grundriss, welche aus rohen Tuf- oder
Kalksteinen zusammengesetzt und mit einem Steindeckel geschlossen
waren. Statt dieser Gehäuse dienten auch einfache Felsaushöhlungen,
in denen sich mit der Asche verschlossene Terracottatöpfe oder
Steinurnen befanden, die letzteren cubisch, cylindrisch oder annähernd
kugelförmig, immer mit einem eingefalzten und irgendwie befestigten
Deckel. Auch grosse Aschenbehälter aus Glas, von der nämlichen
Grösse und Form wie sie in Aquileja und Salona so häufig vor-
kommen, sind mitunter in solchen Steinurnen gefunden worden.

Die gewonnenen Fundstücke waren aufgehäuft in zwei grossen
Zimmern der Pfarrwohnung und bildeten eine reiche Sammlung, die
jedoch durch Ordnungslosigkeit, ungeschieden nach Gräbern, ihren
besten Werth eingebüsst hatte. Dem Vernehmen nach beabsichtigt
man in Agram, dieselbe für das dortige Museum zu erwerben und
in der That wäre es wünschenswerth, dass sie dort oder in Triest
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