Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

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erworben und eingehender untersucht würde, als mir bei einem ver-
hältnissmässig kurzen Aufenthalt möglich gewesen ist. Das Meiste
war, so viel ich sehen konnte, römisch*), Anderes barbarisch oder
prähistorisch, manche Gegenstände interessirten durch eine eigen-
thümliche Mischung von römischen und barbarischen Elementen,
welche allein durch Aufnahme von Zeichnungen genügend verdeutlicht
werden könnte. Griechisches ist mir nicht aufgestossen, abgesehen
von zwei stark verscheuerten, anscheinend inschriftlosen Bronze-
münzen von circa 17 Millimeter Grösse: beide auf der einen Seite
mit einer nach links stehenden, lang bekleideten Nike, welche die
rechte Hand nach links mit einem Bande, Aplustre oder dergleichen
ausstreckt'; während die Rückseite bei der einen eine Eule nach rechts,
bei der anderen einen Adler nach rechts zeigt. Die eine dieser
Münzen, diejenige mit dem Adler, gehört nach Kerkyra, wie Imhoof-
Blumer mich belehrt**).

Weitaus überwogen die Gegenstände aus Bronze: Eine
ungezählte Menge von Nägeln, Nadeln (darunter eine von 0"29 Länge),
Gefässhenkeln, Spiralen, Knöpfen, Finger- und Armringen; zwei
schön patinirte Pincettezangen, die eine ist jetzt vom Wiener Antiken-
cabinet erworben; vier Strigeln, eine unter dem Roste mit einer
nicht mehr erkennbaren Inschrift; eine grosse Zahl meist gut er-
haltener und sehr verschieden geformter Fibeln; eine Bronzepatera,
014 im Durchmesser gross, mit einem Griff, der zum Behufe des
Aufhängens an seinem Ende durchbrochen ist und neben dem Loche
eingestempelt die Inschrift rvfinvs zeigt; zwei grosse bauchige
Gefässe mit angenieteten Henkeln und Boden; ein 0'165 langer
Stilus, der zusammen gefunden ist mit einer 0'075 hohen, 0*125
breiten dünnen Tafel von dunklem weichen Stein, angeblich Pietra
di Lavagna, einer Schiefertafel ähnlich; zwei Spiegel ohne Orna-
ment, der eine 0*14 im Durchmesser gross mit ausgebogtem Rande
ohne Griff, der andere 0'21 gross mit Griff u. s. w.

Auch Gläser sind ziemlich zahlreich vertreten, in verschie-
denen Formen und Grössen; meist einfache Lacrimatorien und einige
Aschengefässe; aber auch mehrfach schöne bunte Gläser, darunter
ein vorzügliches bauchiges Exemplar mit blau und weissen Rippen.

*) Burton a. a. O. S. 131 „de' JRomani trovammo parecchi ricordi: monete,
ne piu antiche di Labieno, ne piu moderne di Tiberio Claudio".

**) Vergl. Postolaka KardA.OYO<; tüjv äpxouujv vo|ui(j|näTWv twv vr]ou)v Kep-
KÜpa«; kt\. S. 20 n. 208-213.
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