Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

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die Richtung dieser Strasse kann heutzutage kein Zweifel obwalten:
von Emona gelangte man über Nauportus (Ober - Laibach) nach
Longaticum (Loitsch) und von hier aus nach Uebersteigung der
julischen Alpen (vgl. den Meilenstein von Podkraj in der Nähe Wip-
pachs, Eph. Epigr. IV p. 157 n. 540) in das Wippachgebiet6) (fluvius
frigidus), wo Heidenschaft (ital. Aidussina) und Biglia römische
Inschriften geliefert haben (C- I. L. V 714—716 a).

Die W'ippach vereinigt sich bei Rubbia-Savogna mit dem Isonzo.
Ein Landweg, durch den Isonzo unterbrochen, verbindet diese Ort-
schaften mit dem gegenüberliegenden Dorfe Mainizza. Zu Berini s
Zeit (vgl. a. a. 0. p. 28 ff.) hatte sich hier die Tradition von einer
Römerbrücke erhalten, hier befinden sich wichtige Mauerreste, an
der Kirche ist ein Votivrelief vermauert, das unzweifelhaft einem
Flussgott gewidmet ist (vgl. Berini a. a. 0. Taf. I Fig. 1; Kandier
discorso sulla Giulia Triest 1867 p. 14 ff.), es stimmt ferner die an-
gegebene Entfernung von 14 beziehungsweise 16 röm. Meilen genau
überein und noch heutzutage ist hier die Ueberfuhr über den Isonzo
am leichtesten, auch deutet der Landweg nach Biglia auf die alte
Römerstrasse längs der Wippach7).

Für den pons Sonti in Ronchi fehlen dagegen die wichtigsten
Postulate, vor Allem der Isonzo selbst8), von welchem keine einzige
Nachricht berichtet, dass er jemals über Ronchi geflossen sei; es
fehlt der unmittelbare Anschluss an die Wippach, die bekannte
Heerstrasse nach Emona. und schliesslich der nöthige Abstand von
14—16 röm. Meilen, da Ronchi kaum 10 Meilen von Aquileja ent-
fernt ist.

Eine wichtige Inschrift im Staatsmuseum zu Aquileja (C. L.
V 7989) besagt, dass Kaiser Maximinus ,,viam quoqne geminam a

forta usque ad ponfem..........longi temporis labe corruptam munivit

ac restitvit. Es ist wahrscheinlich, dass unter via gemina derjenige
Theil der Strasse nach Emona bis zum pons Sonti zu verstehen sei.
von welchem sich die Strassen nach Tergeste und Tarsatica—Siscia

6) Nähere Angaben in A. Müllner „Emona" Laibach 1879 S. 109 ff.

') Dass die römische Brücke bei Mainizza gestanden habe nehmen an: Kandier
discorso sul Timavo p. 29 und discorso sulla Giulia etc. Triest 1867 p. 13, Kenner
Fundkarte von Aquileja 12, Czörnig Das Land Görz und Gradisca I 1873 S. 173 f.;
selbst die Verfechter der entgegengesetzten Ansicht müssen eine zweite Brücke an
dieser Stelle annehmen.

8) Sowohl Berini als Kandier und Czörnig berichten über verschiedene Ver-
änderungen, welche im Laufe des Isonzo eingetreten sein sollen; am eingehendsten
ist die Frage behandelt von Czörnig in den Mitth. der geogr. Gesellschaft Wien
1876 Heft 2 taf. I.
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