Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

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abzweigten, und zwar die erstere über Castellum Pucinum dem Meere
entlang, die letztere im weiten Bogen über Ronchi und die Klause
von Selz, weiter über Goreansca—Iuvanigrad, Vouzhigrad, Copriva
(wo die Inschriften C. I. L. V 699 711 — 714 gefunden wurden) und
Divacca die Rekka erreichte, um schliesslich nach Tarsatica und
Siscia zu gelangen (vgl. Kandier Timavo p. 19). Bei ihrem Beginne
hatte diese Strasse in Ronchi ein Flüsschen zu übersetzen, dessen
antikes Bett man noch heutzutage verfolgen kann, vielleicht der
Ausfluss der Karstseen Doberdo und Pietra rossa, und über dieses
führte die erwähnte Brücke 9). Uebrigens gehören nicht alle dortigen
Ueberreste zu dieser Brücke, sondern grösstentheils zu Grabdenk-
mälern, die sich an der Strasse befunden haben werden.

Während meines Aufenthaltes in Ronchi konnte ich ein Ver-
zeichniss der aquilejensischen Antiken aufnehmen, welche vom Grafen
Francesco Cassis dem jetzt verstorbenen Ritter von Vicentini über-
lassen worden sind. Dieselben finden sich gegenwärtig in einer
künstlichen Ruine vermauert, darunter manches Stück, das als Frag-
ment zu bekannten aquilejensischen Denkmälern gehört.

Unter den Inschriften ist zuerst zu erwähnen die Ära der
Minerva Augusta C. I. L. V 801, mit welcher Widmung vielleicht auch
ein hier aufbewahrtes Cultusbild der Minerva im Zusammenhange
steht. Die Statue ist arg beschädigt, es fehlt der Kopf, die r. Hand
und eine grosse Gewandpartie. Die Höhe beträgt jetzt etwa 1*30,
die Breite der Basis 0'30. Die Göttin steht aufrecht in starrer
Haltung und alterthümlich steifem Gewände. — Die Inschriften C. I. L.
V 1080 (wo das überlieferte eroni wirklich zu lesen ist), 1380 und
1409 stammen alle aus den Grundstücken des Grafen Cassis in der
Beligna bei Aquileja; dazu kommen die beiden von Gregorutti im
neuesten Archeografo Bd. VI p. 345 unter n. 86 und 9110) zuerst
edirten und folgende zwei, welche unedirt sind:

9) Kandier, discorso sidla Giulia p. 15 nennt diese Brücke ponte Timavi und
identificirt damit das fönte Timavi der Tab. Peutingeriana, welches hier sehr leicht
versclmeben sein kann. Ausserdem müsste korrekt die Mündung des Timavus ostia
Timavi nicht fontes Timavi heissen.

10) Meine Abschrift lautet:

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