Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

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ausgegraben worden sind. — Eine 0"80 h., 042 br., 0*20 d. Kalk-
steinplatte zeigt den stehenden Priapos, der mit den Händen sein
Kleid zu einem Bausche aufnimmt; Früchte sind nicht vorhanden,
wichtig ist die merkwürdige Umhüllung des Kopfes (vgl. Michaelis
a. a. 0- S. 88). Die Arbeit ist ziemlich roh, der Stein hat stark
gelitten. — Eine zweite Platte, 1*15 h., 0'59 br., 0*42 d., zeigt inner-
halb einer viereckigen, 0*51 h., 0-55 br., Umrahmung eine merk-
würdige Verbindung von drei Phallen zu einer thierartigen Gestalt
und zwar bildet der eine sehr grosse den Kopf und Körper des
Ungeheuers, der zweite den Schweif, der dritte ist an der natür-
lichen Stelle angebracht. Der Rücken ist beflügelt, um den Hals
hängt eine Glocke, auf zwei Bockfüssen schreitet die Gestalt nach
rechts. Das Ganze ist mit besonderer Geschicklichkeit componirt.
Ich glaube, dass das bekannte Tychoürelief aus Aquileja (Michaelis
a. a. O. S. 91 f.) ein Pendantstück zu dieser Darstellung bildet,
ähnlich wie die beiden Reliefs aus Nimes zusammengehören (vgl.
Grangent, Durand, Durant description des mon. antiq. du midi de la
France, Pars. I, Paris 1819, PI. XVHI Fig. 4. 5. 6).

Görz im April 1880. E. MAIONICA

Bericht über eine Reise in die Gegend
zwischen Essegg nnd Mitrovica

Die folgenden Blätter enthalten die Ergebnisse einer im Auf-
trage der Direction des hiesigen archäologisch-epigraphischen Semi-
nars von den beiden Unterzeichneten in der Zeit zwischen dem
25. Juli und dem 10. August 1879 unternommenen Reise nach Sla-
vonien und der slavonischen Militärgrenze. Das wichtigste Ziel
derselben war die antiquarische, hauptsächlich epigraphische Aus-
beutung der Umgebung des namentlich in der späteren Kaiserzeit
so bedeutenden Sirmium, dem heutigen Mitrovica; doch wurde das-
selbe nur unvollständig erreicht, da der eine der Unterzeichneten
(Kubitschek), bevor er an letzterem Orte etwas Erhebliches leisten
konnte, bedenklich erkrankt heimkehren musste; den anderen (Brun-
smid) schon am fünften Tage seines dortigen Aufenthaltes das in den
dortigen Gegenden den Fremden nicht leicht verschonende Fieber
von der Fortsetzung seines Vorhabens abzustehen zwang.

Archäologisch-epigraphische Mitth. IV. 7
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