Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

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4. Carneolintaglio: Auf einem hohen Lehnsessel sitzt nach
r. gewandt Juppiter, mit einem den Unterleib und die Füsse be-
deckenden Gewand bekleidet, in der erhobenen L. einen Stab, in der
ausgestreckten R. eine kleine weibliche bekleidete Gestalt (Nike)
haltend; zu seinen Füssen sitzt der Adler.

Sammlung des seither verstorbenen SeifensiedersPet. Stojanovic
(vgl. Mitth. III, 124). Fragment eines kleinen Terrasigillata-
Gefässes (0*044 h., 0*034 br.), fast die ganze, sonst leere Fläche
nimmt die Darstellung eines storchähnlichen Vogels (langer krummer
Schnabel), der den r. Fuss hebend auf ein unförmliches langge-
strecktes Ding zutritt. Gef. im Garten des Besitzers. Sonst eine
vorzüglich erhaltene, fein ornamentirte Fibel (vergoldete Bronze), gef.
in Vinkovci, Messer, Sporen etc.

Im Hofe des Herrn Ad. Albrecht steht ein Sandstein-S ar k o-
phag ohne Deckel, 0*601., 1*105 1., 0*65 br., ohne bildliche Verzie-
rung oder Schrift.

Auch sonst sind unbedeutendere Gegenstände verstreut. Vin-
kovci wäre allem Anscheine nach ein für Nachgrabungen geeigneter
Boden; nach jedem starken Regen kommen Münzen, Topfscherben,
Ziegel, Messer, Nägel, Skulpturstücke u. s. w. zum Vorschein. In
dem Garten des Kriegscommissärs Herrn Karl Alkovic fanden sich
deutliche Spuren von römischen Badeanlagen, Hohlziegel, grosse
Marmorblöcke zum Theil mit Inschriften versehen, dann aber zer-
stört oder in die Fundamente von Neubauten versetzt. Zum Theile
Hess man sie in der Erde liegen; anderes, so eine grosse vor Jahren
daselbst gefundene Steinurne, wurde entwendet.

Diakovar

An Ort und Stelle selbst wurden, so viel wir erfuhren, trotz
der grossen zur Aufführung des Domes nöthigen Erdarbeiten keine
antiken Gegenstände gefunden; man wird schon darum Mannert's
Ansicht, dass hier das antike Certissa gesucht werden müsse, für
bedenklich halten. Eher könnte man an die unweit davon nach
Süden gelegenen Dörfer Mikanovci, Vogjinci und Andrijevci denken,
in denen mehrfach Antiken zu Tage getreten sind. — Indess werden
im Schlosse des Bischofs Dr. Strosmayr einige aus Mitrovica oder
aus Petrovci hieher gebrachte Stücke aufbewahrt:

Kreisrunde Sandsteinplatte, gefunden in Mitrovica, oben
unvollständig, in zwei Stücke gebrochen, der Radius der Scheibe ist
0*27, die Dicke 0*026, am Rande um 0*005 eingekehlt, in der Mitte
derselben (zwischen der 1. und 2. Zeile) befindet sich ein Loch und
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