Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

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desgleichen in den beiden oberen Ecken des Reliefs. Im Eingange
des Gebäudes eine männliche, mit der Toga bekleidete Gestalt, mit
ausserordentlich hoher Stirn und langen Ohren, in der R. hält sie
einen Stab, die L. ist über die Brust gelegt; die Arbeit ganz gering-
fügig (Br.).

Viel verdanken wir der Freundlichkeit des Rumaer Vicege-
spans Herrn Budislav Budisavljevic Priedorski und seines Ingenieurs
Herrn Koloman RitzofFy, die uns für die Fortsetzung unserer Reise
mit bedeutendem Material ausstatteten. Herr Budislavjevic hatte
vor einiger Zeit den ganzen ihm zur Verwaltung überwiesenen
Distrikt von vier Volksschullehrern bereisen lassen, die alles natur-
historisch, ökonomisch, commerziell u. s. w., auch alles geschichtlich
Merkwürdige verzeichnen sollten. Letzteres ist namentlich im Re-
ferate des Lehrers Dlustus geschehen. In gleicher Weise waren ge-
eignete Gensd'armes angewiesen worden, derlei Notizen zu sammeln
So ergab sich ein für die antiquarische Erforschung der Umgebung
von Ruma und Mitrovitz nicht zu verachtendes Material. — Von
den Aeusserungen des Ingenieurs Herrn RitzofFy finde nur die eine
hier Erwähnung, dass er bei den von ihm in Ljuba in der Fruska-
gora geleiteten Brechungen von sehr schönem Porphyr, auf bedeu-
tende, in unvordenklicher Zeit betriebene Brüche gestossen sei und
daselbst reichlich behauene Porphyrstücke, Säulentheile u. a. ge-
funden habe. Uebrigens sei dies der einzige Ort in der ganzen
Sirmiergegend, wo Porphyr gebrochen werde. Wenn sich diese,
nicht durch Fragen unsererseits provocirten Aeusserungen bestätigen
sollten, so wäre die Ansicht, dass man hier den Schauplatz der in
der passio quattuor sanctorum coronatorum geschilderten Begebenheiten
zu suchen habe, wohl nicht abzuweisen.

In Ruma trennten wir uns. Brunsmid begab sich mit Herrn
Budisavljevic nach den Orten Putinci, Petrovci und Dobrinci, an
deren Stätte die colonia Bassiana gelegen war, um von dort nach
Mitrovica, als unserem Reiseziel, zu gelangen; Kubitschek suchte
dieses direct auf.

Putinci und Petrovci

Zwischen beiden Orten, in der Nähe des letzteren, zieht sich
in der Richtung von SW nach NO ein grösseres befestiges römi-
sches Lager hin. Dasselbe wird auf der westlichen Langseite durch
ein in der Richtung von Putinci kommendes Flüsschen begrenzt,
das in den bei dem Orte Jarak, dem antiken Fossae, mit der Save
sich vereinigenden Römerkanal, die sog. Jarcina, sich ergiesst. Eine
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