Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

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ferner fehlt der Name des Vicus und endlich zeigen sich noch hinter
dem letzten Worte Spuren des angesetzten Meisseis.

Cilli ALFRED HEINRICH

Inschrift aus Carnuntum

Die folgende, nach einem vortrefflichen Abklatsche des Bau-
technikers Herrn Moriz König in Deutsch-Altenburg mitgetheilte In-
schrift wurde nach brieflicher Angabe des Freiherrn von Ludwigs-
torff und des Herrn König im November 1879 eine Viertelstunde
südöstlich von Petronell in den sogenannten Hundsheimer Kraut-
äckern gefunden. Der Stein ist WO hoch, 0'83 breit, 0'21 dick;
in dem dreieckigen Giebelfelde oberhalb der Inschrift befindet sich
eine Grabrose. Die Buchstaben sind unschön, scheinen jedoch der
älteren Zeit Carnuntums anzugehören. Die Inschrift lautet:

T> STATIVS i T>

CLA> VITALIS > CA
MVLODVNI*STI
III > AN > XXIII > AR.RV
NTI > EXPECTATI

Z. 1 a. E. fehlt f, obgleich der Raum dafür vorhanden wäre;
dieselbe Auslassung findet sich öfters auf Soldatengrabsteinen, so
in der ebenfalls in Carnuntum gefundenen Inschrift des T. Fl. T.
Pol. Secundus Cast(ris): Mitth. II S. 104, auf dem von Hübner in
York copirten Grabstein des L. Duceius L. Volt. Rufinus Vienn(a):
C. I. L. VII, 243, auf einem kürzlich in Königshofen bei Strassburg
gefundenen Grabstein des C. Largennius C. Fab. Luc. mil. leg. II:
Bonner Jahrbücher 1879 p. 72 und sonst. Jedoch ist man vor-
läufig wenigstens nicht berechtigt, hierin mehr als eine blosse Nach-
lässigkeit zu sehen , um so mehr, als auf unserem Steine in Z. 4
auch das Centurionenzeichen, ohne Zweifel aus Anlass der dem-
selben ganz ähnlich geformten Punkte ausgefallen ist. — Die Namens-
form Camulodunum ist die auch sonst besser bezeugte, wenn auch
daneben in einer stadtrömischen Inschrift und bei Plinius Camalodu-
num erscheint, vgl. Hübner im C. I. L. VII p. 34. Ob wir in Z. 2
cla • als Tribus oder als Beinamen der Stadt zu fassen haben,
ist zweifelhaft: dass Camulodunum denselben geführt habe, ist eine
zwar durch kein sicheres Zeugniss beglaubigte (Hübner a. 0.).
aber doch in hohem Grade wahrscheinliche Annahme. 0. H.
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