Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

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Dasselbe Verhältnis zeigt sich in den Bildwerken. In ältester
Kunst erscheint, so viel ich sehe, Artemis, die Schwester und
Gefährtin Apollons nur mit dem Schiesszeug, mag sie davon Ge-
brauch machen oder, wie gewöhnlich der Fall ist, nicht. Aber
auch später bleibt das Schiesszeug, neben oder statt des Bogens
und der Pfeile häufig auch ein oder zwei Jagdspiesse, das weitaus
häufigste Abzeichen der Göttin, verhältnismässig selten verbindet
sich damit die Fackel, oder ist ihr allein die Fackel, einzeln oder
doppelt gegeben0). Hekate dagegen eingestaltig weiss ich nur mit
(zwei) Fackeln dargestellt, so neben Triptolemos' Aussendung, ein-
mal wenigstens mit Namensbeischrift, danach auch sonst mif Wahr-
scheinlichkeit erkannt (s. Overbeck Kunstmythologie 3, 514); ebenso
bei der Heimführung der Persephone durch Hades (s. Overbeck a.
O. S. 597) wo sie recht eigentlich als Hegemone auch durch das
dem Hermes in gleicher Eigenschaft so oft gegebene Umwenden
des Kopfes charakterisiert ist; vielleicht in Unterweltsdarstellungen
neben Hades und Persephone (Vase der Ermitage 426), neben" He-
rakles, der den Kerberos entführt, von den Kachegeistern kaum
noch verschieden; ob auch auf den Vasen der Ermitage 77 und

,;) Im zweiten Bande der Elite ceramoc/raphique zähle ich Artemis mit Ge-
schoss, ohne Unterschied oh Bogen, Pfeil, Köcher, Speere zusammen oder nur theil-
weise sich rinden, mit schwarzen Figuren 4, mit rothen strengen Stils 10, freieren
13; Artemis mit Fackel einfach oder doppelt auf schwarzflgurigen Vasen oder roth-
figurigen strengen Stils keine, freieren Stils 5; Artemis mit Fackel und Geschoss
überhaupt eine, ohne Fackel wie Geschoss sehwarzfig. 10, rothfigurig 5. Sicherer
dürfte folgende Musterung der Münchener (M), Petershurger (P), Neapler (N nebst
SA und EC), Londoner (L) Sammlungen nach den bekannten Katalogen sein: mit
Geschoss (wie oben) schwarz M. 58 60 69 1028. P. 9. L. 53 482? 507 508
509 534 709, roth in allen Stilarten M. 406 745 783. P. 420 424 523 1644 1717
1720 1724 2185 N. 870 1762 1891 2201 2358 3100 3223 3231 3246 3249 3252
(SA) 31 192 231 508 692. L. 741 744 783 791 793 796 855 934 1677 Band O
283 610 783 1296? 1428 (C) 11; mit Fackel einf. dopp., schwarz N. (RC) 214 219
M. 592 692 wenn mau die Frau mit zwei Fackeln vor dem hochzeitlichen (?)
Wagen so nennen will; jedenfalls wären dann die Fackeln durch die besondere
Function gefordertes Attribut, während das Geschoss, wie oben bemerkt wurde,
freie Beigabe ist; rothen Stils: P. 1677 1795 2185 525? N. 702 709? (RC) 525?
L. 1277 1331 ? 1851? Von diesen allen keine, so viel ich sehe, älter als das vierte
Jahrhundert; mit Fackel und Geschoss P. 420 N. 690 (SC) 169. Nicht gering
ist endlich die Zahl der weder durch Geschoss noch Fackel mitunter aber durch
Namensbeischrift ausgezeichneten Bilder der Göttin, schwarz: M. 694 P. 9 87 326
L. 529 598 599 N. 530 2466 3416, mit dem Reh M. 145 L. 459 484 N. 535, mit
hohem Kopfschmuck P. 87 M. 1153, roth: M. 483 486 1265 N. 28 177? (RC) 235?
L. 517. Dabei sind unsichere wie M. 360 399 u. s. w. weggelassen.
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