Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

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1792? Im Gigantenkampf ist sie von Artemis der Jägerin deutlich
unterschieden durch langes Gewand und Fackeln auf dem bekannten
vatikanischen Relief, wie jetzt auf der pergamenischen Ära auch
durch die Dreigestalt7). Lang bekleidet mit zwei Fackeln steht
in den Darstellungen der Göttermutter neben dieser eine kleine
Dienerin, dem Hermes (Kadmilos) gegenüber, von Conze Arch. Ztg.
1880 S. 9 gewiss richtig Hekate genannt, dieselbe in etwas anderen
Verhältnissen auf anderen ebendaselbst aufgezählten Metroa; ebenso
vielleicht auf dem in den Abhandl. d. Gotting. Gesellsch. d. Wissensch.
1875 von Wieseler publicierten Relief von Megara. mit S. 15. Das
archaisirende Bild der Artemis bei der Opferung Iphigenias im Pom-
pejanischen Wandgemälde (Heibig 1304) ist durchaus Hekate wie
im Relief von Thasos bei Conze Reise auf den Ins. des thrak. Meeres
T. 10, 4. Uebrigens leugne ich natürlich nicht Localformen der
Artemis als Fackelgöttin.

Darstellungen der Hekate als Jägerin kenne ich nicht. Die
von Luynes in dem unten anzuführenden Werke S. 102 beschriebene
Münzdarstellung von Tarsos (Mionnet Descr. [IL S. 656, 613 f.):
eine nackte Frau stehend mit Fackel in der Rechten, Schwert Bogen
Pfeil in der Linken kann man schwerlich dahin rechnen, eher die
Beschreibung von Darstellung der dreigestaltigen bei Eusebios pmep.
evang. 3, 11, 32, doch fehlt der Bogen (und Lorbeerzweig), welcher
ihr hier gegeben wird in der Parallelbesehreibung in den Scholien
zu Theokrit 2, 33.

Hekate also ist wie Artemis durch alle Zeiten griechischer
Kunst auch eingestaltig dargestellt, besonders wo sie in lebendiger
Handlung erscheint, doch auch wo schon mehr bildartig wie in den
zuletzt angeführten Darstellungen, wie auch Artemidor 2, 37 sowohl
die Erscheinung der uovoTrpöo"uuTros' als die der xpiTTpotfumog deutet
So finden wir sie eingestaltig als Tempelbild von Myron in Aigina
Paus. 2, 30, 2, von Skopas in Argos P. 2, 22, 8. Diesem freilich
waren nach Pausanias zwei andere Hekatebilder gegenübergestellt
von Naukydes und Polyklet (dem jüngeren), wie man meint, um so
hinterher die populär gewordene Dreiheit herzustellen. Wäre nur
die mögliche Zwischenzeit zwischen der Aufstellung des ersten
und der beiden andern Bilder etwas grösser. Und warum hätte
man da für die zAvei Ergänzungsbilder nicht auch Marmor sondern

7) Auf der Vase des Luuvre (Conze Vorlegeblätter .S. VIII, 7) hat dagegen Artemis
Gesehoss und Fackel und ist Hekate nickt sicher nachweisbar.
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