Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

Seite: 144
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1880/0150
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
144

das dunkle Erz genommen, warum die neuen Bilder dem älteren
gegenüber statt daneben gestellt? Man darf also die Frage auf-
werfen, ob die zwei andern Bilder nicht fälschlich von Pausanias
benannt sind statt etwa Erinyen.

Ueber Alkamenes' dreigestaltige Hekate nun lautet das wich-
tige Zeugnis des Pausanias a. O., nachdem er das Myronische Bild
als öuoiujs ev rrpöcruiTröv xe Kai tö Xoittöv tfüjua bezeichnet hat, also :
'AXKCtuevnc be euoi boi<eiv irpOuioc; orfaXuaTct ipia en-oincre Trpotfexöueva
aXXnXoic rjv 'ASnvaioi KaXoöaiv J€TrirrupYibiav' eö"rn,K.e be rrapa t%
Anrepou NiKnc xöv vaöv. Daraus entnehmen wir für jetzt, dass das
Bild, wenn es neben, nicht vor dem Niketempel stand, kaum anders
als an dessen Südseite seinen Platz haben konnte. Drei ohne
ZAveifel doch lebensgrosse Gestalten, wahrscheinlich um eine Säule
gestellt mit der nöthigen Basis, eher hoch als niedrig, fanden keinen
Platz auf dem kleinen Dreieck nördlich vom Tempel, dessen ungleich-
seitige Gestalt überdies zu der Dreigestalt in augenscheinlichem
Alisverhältnis gestanden hätte. Ungleich besser stand solches Bild
über der Südwestecke des Pyrgos und ungleich besser kam ihm hier
jene volksthümliche Benennung Epipyrgidia, wohl auch ohne Neben-
namen zu. wenn es über der jähen Höhe, als wenn es auf leicht zu-
gänglicher Stelle gleich neben der kleinen Treppe stands). Wäre
es hier, erst spät dem zur Burg Gehenden sichtbar, mehr wie ein
Beiwerk des Tempels der Nike erschienen, so stand es dort fern-
hin kenntlich den Zugang schützend, frei nach drei Seiten schauend9).
Ehe wir nun die Frage aufwerfen, was Alkamenes eigentlich ge-
neuert, und woher die Idee der Dreigestalt gekommen, bedarf es

s) Ueber diese scheint das Richtige von Bohn Arch. Zeitung- 1880, 85 gesagt.

'■') Vgl. in Orpheus Argonautika 892 die Beschreibung der Burg des Aietes
und 898 aüxctp eiri oxaGfioio ttuXujv xnXumK; ävaaaa "laxavev ouöüouoa irupöc;
oeXac fjv i<e vu KöXxoi "Apxeuiv e^TruXuiv KeXabo&pö|uov iXacncovrai, ein Hin-
dernis einzutreten 907 ei'pYei t^P ttövxv) 5eivr) 9eö<; f\f e ,uöv eia Xüacrav ern-
TTveiouaa. . . öxuXdiKeööiv. Weiterhin 933 wird sie Mouvux^ 'GKdxn genannt, 981
wieder 'Apxeuiboc; eppoupöv be^xae, und macht neben der leibhaftigen, durch Be-
schwörung gerufenen TapxapÖ7rai<; 'GKdxn 975 mehr den Eindruck eines Bildes
mit solchem Leben, wie wunderthätigen Bildern auch sonst nachgesagt Avurde. Vgl.
Robert de Gratiis atticis in den Comment. in hon. Mommseni S. 147, der Hegemone
als Namen der Hekate wahrscheinlich macht. Hekate als TrpoxcuXcna schon bei
Aischylos angeführt in den Scholien zu Theokr. 2, 36. Auch in Euripides' Phoen. 109
ruft Antigone die Hekate nicht wie die Scholien und Neuere meinen wegen des
Blitzens, sondern als Schützerin der Stadt gegen den Feind draussen vor den
Mauern. Diese Gedankenrichtung verrathen die folgenden Worte.
loading ...