Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 4.1880

Seite: 146
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An keinem anderen Orte finden sich so zahlreiche Hekataia
beisammen wie in Athen. Manche von ihnen sind freilich nicht in
Athen , ja einige nicht mal in Attika gefunden, dafür lassen sich
aber viele der gegenwärtig ausserhalb Athens vorhandenen mehr
oder minder sicher auf athenischen Ursprung zurückführen. Diese
griechischen, oder sagen wir lieber attischen Hekataia im Grossen
und Ganzen trotz der selten guten, öfter mittelmässigen, meist hand-
werksmässigen Arbeit, übereinstimmend in Stil und Attributen, bilden
die eine, wie leicht zu erkennen, ältere Gruppe, der eine zweite —
zählt man nur die Rundbilder — kleinere gegenübersteht. Die
eigentlichen Attribute in der ersten Gruppe sind Fackeln, lange auf
dem Boden stehende, Giessgefäss, Schale, Frucht und Hund;
die der zweiten Gruppe kurze Fackeln, Schwerter, Dolche, Peitschen,
Schlüssel, Schlangen und vereinzelt noch andres. Die Exemplare
der zweiten Gattung entstammen dem weiteren Gebiet griechisch-
römischer Cultur theils im Westen wie Italien und Donaugebiet,
theils dem Osten, besonders Kleinasien. Doch ist diese Scheidung
natürlich nicht so scharf , dass nicht einzelne Stücke der zweiten
Gattung auch im griechischen Mutterlande sich fänden, häufiger
noch solche der ersten auch im Osten. Manches Exemplar kann
bei starker Zerstörung, namentlich der Attribute Zweifel über seine
Zugehörigkeit wecken; manche nehmen auch eine Mittelstellung ein,
die demgemäss den Uebergang von der ersten Gruppe zur zweiten
machen werden.

I. Gruppe

XJm die nothwendige Beschreibung der einzelnen Stücke kürzer
fassen zu können, schicke ich die Gesammtcharakteristik vorauf.
Das Material dieser Hekataia ist stets weisser Marmor, wo man
denselben näher zu bestimmen sich getraut hat, schien es fast immer
pentelischer; das Maass der Höhe ist durchschnittlich gegen M. 0*35
für das vollständige; doch scheinen öfters Bohrlöcher unten oder
oben in der Axe noch auf Unter- und Aufsatz zu weisen. Der
Kern, um welchen die Figuren gestellt sind, wo soweit erhalten,
immer etwas über diese herausragend, ist bald als runder Schaft,
bald als dreiseitiger Pfeiler charakterisiert, dem bald an den Seiten
bald an den Enden die drei Figuren vorgestellt sind. Sie stehen
je nach der Dicke des Kerns bald etwas enger, bald etwas weiter,
immer aber in streng gebundener Haltung, grad aufrecht, je beide
Füsse geschlossen und gleich belastet, die Arme mit den Attributen
möglichst angeschlossen an den Körper — nur das einzige relief-
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